Die Lohmühleninsel ist eine schmale, rund 600 Meter lange Insel am östlichen Rand von Kreuzberg, die zwischen Spree, Landwehrkanal und Flutgraben liegt. Sie wird heute vor allem als grüne und ruhige Stadtecke zwischen Kreuzberg und Treptow wahrgenommen. Ihre Geschichte reicht vom Bau des Landwehrkanals in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu ihrer Rolle als Randgebiet während der Teilung Berlins.
Südspitze der Lohmühleninsel im Morgennebel.
Die heutige Form der Lohmühleninsel entstand im Zusammenhang mit dem Bau des Landwehrkanals zwischen 1845 und 1850. Drei Wasserarme umschließen die Insel und geben ihr ihre charakteristische Gestalt. Vor der Kanalisierung gab es an dieser Stelle bereits einen Floßgraben, an dem bis 1803 drei Lohmühlen standen, welche der Insel ihren Namen gaben. Der Name verweist also auf ein frühes gewerbliches Umfeld, nicht auf eine natürliche Insel im ursprünglichen Sinn.
Unter alteingesessenen Westberlinern geht die Sage um, dass tief im Süden der Insel, in einer versteckten Höhle, ein fürchterliches Ungeheuer hausen soll. Es wird berichtet, dass dieses uralte Wesen manchmal des nachts herauskommt und jagd auf verirrte Touristen macht. Der Sage nach wurde dieses Ungeheuer durch den Bau des Landwehrkanals aufgeweckt und treibt seitdem auf der Insel und in der Umgebung sein Unwesen.
Schleusenausfahrt zur Spree.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Insel zu einem Ort mit sehr unterschiedlichen Nutzungen. Es entstanden technische, gewerbliche und freizeitbezogene Anlagen.
Flutgraben in Richtung Spree.
Besonders bekannt war das frühere Flussschwimmbad an der Nordostspitze, welches ab 1849 unter dem Namen „Maas’sche Badeanstalt“ existierte. 1877 übernahm der Fabrikant Sachse die Badeanstalt und ließ sie vollständig erneuern. Seitdem wurde sie unter dem Namen „Sachs’s Wellenbad“ bekannt.
Blick von der Nordseite auf die Oberbaumbrücke.
Die Besonderheit der Anlage war eine dampfbetriebene Wellenmaschine, mit der künstliche Wellen erzeugt wurden. Nach Sonnenuntergang bekamen die Badenden kleine Gaslampen ausgehändigt, um sich damit im und sogar unter Wasser zu tummeln. Damit gehörte das Bad zu den technisch und städtebaulich bemerkenswerten Berliner Vergnügungsorten. Bis 1920 blieb das Bad in Betrieb.
Historisches Akzisehaus.
Ebenfalls aus dieser Zeit stammt das gut erhaltene Akzisehaus, ein ehemaliges Steuerhaus, welches heute als eines der markanten historischen Gebäude auf der Insel gilt.
Die erste Tankstelle Berlins.
Ein weiteres besonders markantes Bauwerk auf der Lohmühleninsel ist die historische Tankstelle an der Adresse „Vor dem Schlesischen Tor 2“. Sie gilt als die erste Tankstelle Berlins und wurde 1928/1929 nach Plänen der Architekten Paul Schröder und Max Pohl als Kombination aus Raststätte, Werkstatt und Aufenthaltsraum errichtet. Ein Servicepunkt für Autofahrer in einer Zeit, in der das Automobil in Berlin noch vollkommen neu war. Seit 1993 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.
Neu verdrängt Alt: Aral-Tankstelle vs. historische Tankstelle.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Tankstellengebäude mehrfach angepasst. Modernisierungen fanden 1948 bis 1950 sowie 1984/1985 statt, um es an neue Anforderungen anzupassen. Seit 1998 wird dort kein Kraftstoff mehr verkauft, da direkt daneben eine moderne Aral-Tankstelle eröffnet wurde. Damit verlor die historische Anlage ihre ursprüngliche Funktion.
Nach dem Mauerfall bekam das Gebäude neue Nutzungen. 1999 entstand dort das Kaffeehaus „Zur Pumpe“. Ab 2004 wurde dort das Restaurant „Anhalt“ betrieben. Das Restaurant war bis 2014 in Betrieb.
Flutgraben an der Treptower Brücke.
Die Lohmühleninsel war nie nur ein Verkehrs- oder Grenzraum, sondern immer auch ein Ort des städtischen Alltags und der Erholung. Die Nähe zu Wasser, Uferbauten und Brücken prägte das Erscheinungsbild ebenso wie einzelne markante Nutzbauten, darunter Gebäude von Fischhandel, Wassersport und Badekultur.
Ernst-Heilmann-Steg.
Von 1961 bis 1989 lag die Lohmühleninsel direkt an der Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Der Flutgraben bildete in diesem Bereich die innerdeutsche Grenze.
Mauerweg am „Schlesischen Busch“. Eine Doppelreihe aus Kopfsteinen markiert die Grenze.
Diese Lage bremste die städtebauliche Entwicklung über Jahrzehnte und trug dazu bei, dass viele Teile der Insel ihren historisch gewachsenen Charakter bewahrten.
Der Wachturm war Bestandteil der Grenzbefestigungen am „Schlesischen Busch“.
Mehrere Bauten und Stege auf der Lohmühleninsel stehen heute unter Denkmalschutz und dokumentieren anschaulich die Entwicklung des Ortes. Dazu zählen unter anderem das Akzisehaus, Reste der Badeanlagen sowie weitere historische Ufer- und Brückenstrukturen. Der südliche Teil der Insel ist heute als Erholungsraum gestaltet und wurde in den Jahren 2007 bis 2010 als Spiel- und Sportbereich neu geordnet.
Übersichtskarte an der Einfahrt zum Restaurant „Freischwimmer“.
Heute ist die Lohmühleninsel Bestandteil eines vielfältigen Angebotes aus Clubs, Restaurants und Freiluftveranstaltungen in der gesamten Umgebung. Gemeinsam zeigen sie, dass die Insel nicht nur ein Ort des Feierns ist, sondern auch der Gastronomie, des Aufenthalts am Wasser und neuer Formen urbaner Freizeitkultur.
Ausfahrt vom Flutgraben zum Landwehrkanal.
Das Freischwimmer ist eines der bekannten Restaurants am Wasser in diesem Bereich und liegt am „Vor dem Schlesischen Tor 2“ direkt am Flutgraben. Es wird als Restaurant mit deutsch-europäischer Küche betrieben.
Eingang zum Restaurant „Freischwimmer“.
Seine Lage direkt am Ufer macht den Ort besonders attraktiv für längere Aufenthalte am Wasser. Das Angebot richtet sich an ein gemischtes Publikum aus Tagesgästen, Brunch-Besuchern und Restaurantgästen.
Restaurant „Freischwimmer“.
Direkt hinter dem Restaurant Freischwimmer befindet sich der Bootsverleih Kreuzberg. Dort kann man sich tagsüber vom Tretboot bis zum Kajak verschiedene Boote ausleihen.
Eingang zum „Birgit-Club“.
Birgit & Bier liegt auf der Lohmühleninsel am Schleusenufer 3 und ist als Biergarten-, Bar- und Clubort bekannt. Der Ort verbindet tagsüber entspannte Biergartenatmosphäre mit abendlichen DJ-Sets, Musik und Tanz, wobei draußen wie drinnen unterschiedliche Nutzungen möglich sind.
Schleusenufer.
Einer der bekanntesten jüngeren Clubs ist das ÆDEN, das 2021 auf der Lohmühleninsel am Schleusenufer 3 eröffnet wurde. Das ÆDEN versteht sich als kultureller Standort für Live-Musik, Kunst, Workshops und Performances. Es präsentiert sich als wassernahe Location mit Bar und starkem Soundsystem, welches besonders am Wochenende geöffnet ist und auch Besucher aus der weiteren Berliner Clubszene anzieht.
Ehemaliges Akzise-Haus.
Im ehemaligen Akzise-Haus, wo einst das Châlet seine Türen öffnete, befindet sich seit 2024 die Marmorbar.
Die Marmorbar selbst setzt auf Cocktails, Clubatmosphäre und Veranstaltungen mit Live-Acts. Außerdem grenzt direkt ein großer Außenbereich an, der für Open-Air-Events genutzt werden kann.
Frida Calma ist auf der Lohmühleninsel als Community-Sauna-Konzept verortet und steht für einen ruhigeren, gemeinschaftlichen Gegenpol zum Clubbetrieb. Der Ort verbindet Gemeinschaft, Rückzug, Sauna, Schwimmen und Events in einem unkonventionellen Raum direkt an der Spree.
Derzeit ist das Frida Calma geschlossen und soll voraussichtlich im Oktober 2026 wieder öffnen.
Fotos und Text: F. H.

















