
„Das, was innen geblieben ist“ Lali Khutaischvili
In der Galerie Salon Halit Art am Viktoriapark finden Künstlerinnen und Künstler aus vielen Ländern einen Raum für Begegnung, Heilung und Hoffnung.
Von außen wirkt die Galerie Salon Halit Art in der Kreuzbergstraße 72 unscheinbar. Durch die großen Schaufenster fallen bunte Gemälde ins Auge. Nur wenige Schritte entfernt rauscht der Wasserfall des Viktoriaparks. Wer die Galerie betritt, entdeckt jedoch mehr als Kunst an den Wänden. Hier treffen Geschichten von Flucht, Verlust, Hoffnung und Neuanfang aufeinander.
Der Gründer der Galerie, Hulusi Halit, weiß selbst, was es bedeutet, eine neue Heimat zu suchen. Der aus Zypern stammende Künstler kam vor rund fünfzig Jahren nach Deutschland und lebt seit 1981 in Kreuzberg. Viele Jahre arbeitete er als Erzieher und brachte Kindern die Freude am kreativen Gestalten näher.
„Die Arbeit mit Kindern und die Kunst gehörten für mich immer zusammen“, erzählt er.
Zunächst nutzte Halit die Räume ausschließlich für seine eigenen Werke. Doch schon bald fragten andere Künstlerinnen und Künstler, ob sie ebenfalls ausstellen dürften. Aus dem persönlichen Atelier entwickelte sich Schritt für Schritt ein offener Kunstraum.
„Das war nie ein großer Plan“, sagt Halit. „Es hat sich einfach entwickelt.“
Heute stellen hier Menschen unterschiedlicher Generationen und Nationalitäten aus. Neben Malerei finden Lesungen, Gespräche und kulturelle Veranstaltungen statt. Die Galerie ist zu einem Treffpunkt geworden, an dem Menschen ihre Erfahrungen teilen und miteinander ins Gespräch kommen.

„Das Moder“ digital gemacht von Hulusi Halit
Besonders bewegt Halit, wie viele Künstlerinnen und Künstler ihre persönlichen Verletzungen durch ihre Arbeit verarbeiten.
„Viele kommen mit Heimweh, mit Erinnerungen und mit Schmerzen.“, sagt er. „Wenn ich ihnen die Möglichkeit geben kann, ihre Wunden durch Kunst zu heilen, heilt auch ein Teil meiner eigenen Wunden.“
Eine von ihnen ist die georgische Künstlerin Lali. In ihrer Heimat arbeitete sie als Kunstlehrerin. Die politische Entwicklung in Georgien veränderte ihr Leben grundlegend.
„Ich wollte nie fliehen“, erzählt sie. „Aber die politische Situation wurde immer schwieriger.“
Ihre Familie verlor Arbeit und Sicherheit. Ihr Mann wurde verhaftet und misshandelt. Das Haus ihrer Mutter wurde niedergebrannt.
„Mit diesem Haus verbrannten auch meine Erinnerungen und mein Traum, einmal als Künstlerin zu arbeiten“, sagt sie.
Die Flucht nach Deutschland brachte Schutz, doch die seelischen Verletzungen blieben. Erst in Berlin fand sie einen Weg zurück zur Kunst. In der Galerie von Hulusi Halit erhielt sie die Möglichkeit, wieder zu malen und ihre Werke öffentlich zu zeigen.
„Durch die Kunst konnte ich anfangen zu heilen“, sagt sie. „Ich möchte mit meinen Bildern Licht, Hoffnung und Freude weitergeben.“
Beim Rundgang durch die Galerie wird deutlich, dass viele Werke ähnliche Themen berühren: Verlust und Neuanfang, Dunkelheit und Licht, Schmerz und Hoffnung.

„Träume unter dem Mondlicht“ Lali Khutaischvili
Die Kunst dient nicht nur der Selbstdarstellung. Sie wird für viele zu einer Form der inneren Befreiung. Auch der Dichter Thaer Ayoub gehört zu den regelmäßigen Gästen der Galerie. Der aus Syrien stammende Palästinenser liest hier Gedichte über Heimat, Erinnerung und Sehnsucht.
Seine Texte erscheinen auf Arabisch, Deutsch und Hebräisch – eine bewusste Entscheidung in Zeiten politischer Spannungen. Es scheint für ihn, dass die Kunst sich nicht von Konflikten beherrschen lassen darf. Sie muss Menschen zusammenbringen.
Seine Gedichte zeigen, dass die Sprache der Kunst Grenzen überwinden kann. Wo politische Debatten oft trennen, schafft Kultur Begegnung.
Genau darin liegt die besondere Bedeutung der Galerie Salon Halit Art. Sie ist nicht nur ein Ort für Ausstellungen. Sie ist ein Raum, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft einander begegnen, ihre Geschichten teilen und neue Perspektiven entdecken.
Während draußen die Besucher durch den Viktoriapark spazieren, erzählen drinnen Bilder und Gedichte von Verlust und Hoffnung. Sie erinnern daran, dass Kunst durch ihr ästhetisches Erlebnis Trost spenden kann. Sie kann Wunden heilen. Und sie kann Menschen zusammenbringen.

„Von Einsamkeit und der Inneren Welt“ Lali Khutaischili