
An der Charlottenstraße / Ecke Rudi-Dutschke-Straße steht seit fast dreißig Jahren ein Gebäude, das wenige Wochen vor Beginn des neuen Jahrtausends fertiggestellt wurde und seitdem mit seiner in Berlin einmaligen und weithin zu sehenden Glasfassade mit dem unverwechselbaren lebhaft bunten Design das Straßenbild prägt. Der Fachwelt gilt es als Beispiel moderner sowie funktionaler und ökologisch effizienter Innen- und Außenarchitektur.
Ziel war es, den von der GSW als Verwaltungsgebäude genutzten 17 geschossigen Bau von 1961 zu erweitern, um Verwaltungskapazitäten zu schaffen, die dem stetigen Zuwachs des Wohnungsbestandes der GSW in den 90er Jahren gerecht werden konnten.
1991 wurde durch die Senatsbauverwaltung, dem Bezirk Kreuzberg und der zu diesem Zeitpunkt noch städtischen Wohnungsbaugesellschaft GSW (Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH) ein zweistufiger und beschränkter Architekturwettbewerb ausgerufen.
Nach einem mehrjährigen Auswahlverfahren begann 1995 die Umsetzung der Pläne zum Bau des ersten ökologischen High-Tech-Hochhauses Deutschlands nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton.
Sauerbruch Hutton, gegründet 1989 in London, ist ein international anerkanntes Architektur-Büro. Das Photonikzentrum in Berlin Adlershof von 1998 sowie der Hauptsitz der Médecins sans Frontieres (Ärzte ohne Grenzen) in Morillon/Genf von 2022, zählen zu den erfolgreichen Projekten, mit denen sich Sauerbruch Hutton in der internationalen Architekturszene etablierte.
Sauerbruch Hutton konzipierte ein Gebäudeensemble unter Einbeziehung eines seit 1961 existierenden Baus, bestehend aus einem dreigeschossigen kontrastschwarzem Sockelbau, der sich partiell über das 7200 Quadratmeter große Areal zwischen Charlotten- und Markgrafenstraße erstreckt, den ein am westseitigen Ende platzierter mit mehrfarbigen Wellblech verkleideter ovaler Turm krönt. Dieser Turn wird Pillbox genannt.

Am 2. Septemgber 1999 wurde das erste ökologische Niedrigenergie-Hochhaus Berlins feierlich eingeweiht und dem Bauherrn und Besitzer, der Gemeinnützigen Siedlungs-und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH, übergeben.
Fast drei Jahrzente seit seiner Fertigstellung am 02. September 1999 prägt der 81,5 Meter hohe GSW Tower mit seiner auffällig bunten Lammellenfassade und dem Flugdach das Stadtbild am Rande des ehemaligen Ullsteinkomplexes.
Ein seit 1961 auf dem Grundstück des ehemaligen Ullstein-Komplexes befindliches 17-stöckiges Gebäude, nach den Entwürfen des Architekten Paul Schwebes in den 1950er Jahren geplant und im Jahr 1961 fertiggestellt, wurde in das Baukonzept integriert.

Das modernisierte und integrierte Gebäude aus den Sechzigern
Durch Leuchtschriften auf diesem sowie auf dem Axel-Springer-Verlagshochhaus und weiteren geeigneten Gebäuden sollten die Ost-Berliner mit Nachrichten aus dem Westen versorgt werden, um gegen die Propaganda der DDR-Funktionäre über die Mauer hinweg zu wirken.
Aufgrund der direkten Nähe zur Mauer und der guten Sichtbarkeit spielte der 60er-Jahre-Bau zur Zeit der Teilung Berlins eine nicht unwesentliche Rolle. So wurde im Auftrag des Berliner Senats am höchsten Punkt des Baus sowie an anderen geeigneten Gebäuden im Westteil Leuchtschriftanlagen installiert und bis in die späten 1980er benutzt, um West-Nachrichten der freien Berliner Presse gezielt in Richtung des Ost-Sektors sichtbar zu machen und den Ost-Berlinern und den DDR-Grenzposten ein Gegenstück zur staatlich kontrollierten Presse der DDR zu bieten.


22 Geschosse mit hunderten farblich arrangierten Aluminium Lamellen, die zwischen der inneren und äußeren Verglasung eingefasst wurden und je nach Sonnenstand gedreht und auch verschoben werden können, bilden einen leuchtend bunten Blickfang, der absolut einzigartig in seiner optisch positiven und stimmungserzeugenden Wirkung ist. Den Abschluss bildet die wie eine große Schwinge oder ein Segel anmutende Dachkonstruktion im 50er-Jahre-Design.
Text und Fotos: F. N.