Lovis Corinth | Dann kam Berlin

Die Berlinischen Galerie, das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, zeigt vom  9. Oktober 2026 bis zum 25. Januar 2027 die Ausstellung „Lovis Corinth | Dann kam Berlin“ in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg.

Lovis Corinth, Junge Frau mit Katzen, 1904, © Hilti Art Foundation, Foto: Günter König

Bereits zu Lebzeiten zählte Lovis Corinth (1858 – 1925) neben Max Liebermann, Max Slevogt und Walter Leistikow zu den bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Berliner Moderne. Der Maler war bereits über vierzig Jahre alt, als er sich 1901 entschloss, seinen Lebensmittelpunkt von München nach Berlin zu verlegen.

Inspiriert vom französischen Impressionismus und anderen Strömungen entwickelte Corinth an der Spree seine charakteristische lockere Pinselführung. Sein eigenwilliger, für viele zunächst provozierender Stil galt bald als Beleg dafür, dass auch Deutschland innovative Künstler*innenpersönlichkeiten hervorbrachte.

Lovis Corinth, Franz Heinrich Corinth, der Vater des Künstlers, 1883, © Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München

Corinth wurde 1858 im ostpreußischen Tapiau (heute Gwardeisk, Russland) geboren. Die Eltern führten eine Gerberei und betrieben Landwirtschaft. Sein Vater finanzierte ihm eine solide künstlerische Ausbildung mit Stationen in Königsberg, München, Antwerpen und Paris. Im Anschluss ließ sich der Maler zunächst in München nieder. Als seine Karriere in Bayern zusammen mit der dortigen Moderne stagnierte, begab er sich 1901 nach Berlin.

Über ein Vierteljahrhundert lang behauptete sich Corinths Kunst in Berlin als modern und wurde zum Aushängeschild der deutschen Avantgarde. Auch für die Nationalgalerie erwarb ihr damaliger Direktor Ludwig Justi vor allem in den 1920er Jahren einen größeren Bestand an Werken, darunter viele Gemälde aus der späten expressiven Phase.

Lovis Corinth, Porträt Walter Leistikow, 1893, © Stiftung Stadtmuseum, Foto: Oliver Ziebe

Dank der Unterstützung seines engen Freundes Walter Leistikow, der zu den wichtigsten Akteuren der Berliner Moderne gehörte, lebte sich Corinth rasch in der Stadt ein. Als Mitglied der wichtigsten Künstler*innenvereinigungen profilierte sich Corinth neben Max Liebermann und Leistikow insbesondere in der Berliner Secession und prägte zunehmend das Kunstgeschehen der Stadt.

Unmittelbar nach seiner Ankunft an der Spree gründete Corinth eine Malschule und lehrte auch an anderen Orten der Stadt. Private Malschulen boten in diesen Jahren vor allem auch Frauen die Möglichkeit einer künstlerischen Ausbildung.

Lovis Corinth, Der Neue See im Berliner Tiergarten, 1903, © Kunsthalle Mannheim, Foto: Cem Yücetas

Erst ab 1919 öffnete sich die Berliner Hochschule für Kunststudentinnen, was Corinth entschieden befürwortete. Unter seinen ersten Schüler*innen waren Charlotte Berend, seine spätere Ehefrau, Minna Tube, die erste Ehefrau von Max Beckmann, und auch der Maler August Macke.

Lovis Corinth, Tilla Durieux als spanische Tänzerin, 1908, © Foto: Leopold Museum

In Berlin fand er über Leistikow rasch Zugang zu Theaterkreisen. Er porträtierte Autoren wie Gerhart Hauptmann und stellte Schauspieler*innen wie Tilla Durieux oder Gertrud Eysoldt in ihren Rollen dar. In seinen Selbstbildnissen – als Bacchus, Ritter oder Derwisch – experimentierte Corinth mit Kostümierungen und Rollen, um sich über Aspekte der eigenen Persönlichkeit klarer zu werden.

Weniger bekannt ist, dass Corinth ab 1903 für den Berliner Theaterregisseur und Intendant Max Reinhardt Kostüme und Bühnenbilder entwarf. Mit Corinth begann Reinhardts erfolgreiche Zusammenarbeit mit Berliner Künstlern.

Lovis Corinth, Porträt Frau Douglas (Irma Hübner), 1909, © Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: InGestalt/Michael Ehritt

Mit den Jahren genoss Corinth große Popularität in Berlin. An rund 80 wichtigen Ausstellungen nahm er teil, darunter zahlreiche monografische Präsentationen, unter anderem in der Berliner Secession und in den führenden Galerien der Stadt. Nicht zuletzt von der Nationalgalerie wurde Corinth als einziger Künstler sogar zwei Mal kurz hintereinander mit großen Einzelausstellungen geehrt: 1923 im Kronprinzenpalais, der sogenannten Galerie der Lebenden, und 1926, ein Jahr nach seinem Tod, im Berliner Stammhaus mit einer feierlich eröffneten Retrospektive.

Lovis Corinth, Wilhelmine mit Ball, 1915, © Landesmuseum Kunst & Kultur Oldenburg, Foto: Sven Adelaide

Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 galt Corinth aufgrund seines expressiven Spätwerks als fester Bestandteil des modernen Kanons. Dann musste Justi seinen Posten als Direktor der Nationalgalerie räumen. Im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ wurden mehr als 350 Gemälde, 4 Zeichnungen und Druckgrafiken des Künstlers, überwiegend aus seiner letzten, expressiven Schaffensphase, aus öffentlichen deutschen Sammlungen beschlagnahmt.

Lovis Corinth, Walchenseelandschaft, 1925, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Foto: Dietmar Katz

Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie präsentiert rund 80 Werke von Lovis Corinth sowie etwa 30 Arbeiten seiner Schüler*innen und Zeitgenossen, darunter Gemälde und Zeichnungen von Charlotte Berend-Corinth, Minna Beckmann-Tube, August Macke und Max Slevogt.

Mit der Ausstellung erforscht das Museum die eigene Sammlung und knüpft an eine Reihe erfolgreicher monografischer Ausstellungen zur Berliner Moderne an, darunter 2023/24 Edvard Munch, 2021/22 Ferdinand Hodler oder 2019 Lotte Laserstein.

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124 – 128
10969 Berlin

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag: 10:00 – 18:00 Uhr

Internet: www.berlinischegalerie.de