Emilio Vedova | Absurdes Berliner Tagebuch ’64

Die Berlinischen Galerie, das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, zeigt noch bis zum 14. September 2026 die Ausstellung „Emilio Vedova | Absurdes Berliner Tagebuch ’64“ in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg.

Emilio Vedova, Absurdes Berliner Tagebuch ’64, 1964, Berlinische Galerie,
© Fondazione Emilio e Annabianca Vedova, Foto: Lutz Bertram

Die Installation „Absurdes Berliner Tagebuch ’64“ des italienischen Malers Emilio Vedova (1919–2006) zählt zu seinen Hauptwerken und ist in ihrer Komplexität und Monumentalität innerhalb seines Schaffens einzigartig.

Die Arbeit besteht aus beidseitig bemalten, asymmetrisch gesägten Holzplatten, die mit Eisenscharnieren zu beweglichen Konstruktionen verbunden sind. Die frei im Raum platzierten und erst im Umschreiten erfassbaren Bildelemente nannte Vedova „Plurimi“ (Mehrfachgebilde). Mit der Entwicklung der Plurimi löste Vedova die Malerei aus der konventionellen Form des Tafelbildes.

Emilio Vedova, Absurdes Berliner Tagebuch ’64, 1964, Berlinische Galerie,
© Fondazione Emilio e Annabianca Vedova, Foto: Harry Schnitger

Vedova schuf das Werk 1964, als er im Rahmen eines Stipendiums der US-amerikanischen Ford Foundation für ein Jahr in West-Berlin lebte und arbeitete. Die Berliner Plurimi entstanden als Reaktion auf die geteilte Stadt, die Vedova als „Zusammenprall widersprüchlicher Situationen“ erlebte.

Ausgeführt wurde das Werk im ehemaligen Atelier des nationalsozialistischen Bildhauers Arno Breker, in dem sich heute das Kunsthaus Dahlem befindet.

Noch im selben Jahr wurde die Arbeit auf der documenta III in Kassel gezeigt. 2002 entschied sich der Künstler, das Werk der Berlinischen Galerie für das Gebäude in der Alten Jakobstraße zu schenken.

Der in Venedig geborene Künstler entwickelte sich zu einem der Hauptvertreter der italienischen Informel-Malerei der 1950er und frühen 1960er Jahre. Nach einer geometrischen Phase wandte sich Emilio Vedova endgültig der gestisch-spontanen informellen Malerei zu.

Die informelle Malerei als Teil der abstrakten, nicht-geometrischen und gegenstandslosen Kunst hatte ihre Ursprünge im Paris der 1940er und 1950er Jahre und wurde prägend für die klassische (west)europäische Nachkriegsmoderne.

Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124 – 128
10969 Berlin

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag: 10:00 – 18:00 Uhr

Internet: www.berlinischegalerie.de