Als ich das erste Mal an der Weberwiese war, war ich gerade erst geboren. Meine Eltern stellten voller Stolz ihren Erstgeborenen bei Oma und Opa vor. Oma und Opa wohnten bis zu ihrem Ableben in der Marchlewskistraße 25c, also nicht im ersten Hochhaus Berlins. Der erste Besuch im Hochhaus Marchlewskistraße 25 sollte noch ein paar Jahre dauern, bis mein Onkel meine Tante kennenlernte, die mit ihren Eltern dort wohnte. Zur Hochzeit von Onkel und Tante, die im Hochhaus stattfand, hatte ich das erste Mal die Gelegenheit, mir die Wohnung anzusehen. Bis dahin hatte ich noch nie solch eine riesige und gut geschnittene Wohnung gesehen. Heute würde ich sagen, dass die Wohnung echt top war und sogar mit einem großen Garten vor der Tür.
Das Hochhaus war Teil des Aufbauprogramms, um zu zeigen, dass die DDR-Regierung und ihr System funktioniert. Es ist der Stein gewordene Traum der DDR.

Es sollte als Symbol für den Sozialismus und Vorbild einer ganzen Straße dienen, der damaligen Stalinallee, die heute Karl-Marx-Allee heißt.
Beauftragt worden mit den Hochhausplänen war eine Architektengruppe mit Hanns Hopp, Richard Paulick und Hermann Henselmann. Henselmann gilt dabei heute als der Schöpfer des Baus.
Der Entwurf stammt von Hermann Henselmann, der zunächst einen modernen, funktionalen Bau im Bauhaus-Stil geplant hatte. Seine erste Skizze für das Hochhaus an der Weberwiese führte er 1951 noch sachlich-funktional aus. Doch der Stil war nicht mehr angesagt. Sowjetische Funktionäre kritisierten die Arbeiten ostdeutscher Architekten. Auf politischen Druck musste er diesen kurzfristig in eine historisierende, klassizistische Form umarbeiten.
Die Grundsteinlegung fand am 1. September 1951 statt. Das Gebäude wurde in Rekordzeit fertiggestellt, sodass bereits am 1. Mai 1952 die ersten Familien einziehen konnten.
Als Baumaterial sollen auch Ziegelsteine aus den zerbombten Ruinen Friedrichshains verwendet worden sein.

Die Weberwiese selbst ist eine historische Parkanlage im Berliner Ortsteil Friedrichshain mit knapp einem Hektar Größe, einem Teich und einer Fontäne. Der Name geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als Weber hier Stoffe zum Bleichen ausbreiteten.

Blick zum Eingang der Marchlewskistraße 25, mit einem Portikus aus Marmorsäulen.

Hauptportal mit der Inschrift von Bert Brecht.
FRIEDE IN UNSEREM LANDE / FRIEDE IN UNSERER STADT / DAS SIE DEN GUT BEHAUSE / DER SIE GEBAUET HAT / BERT BRECHT
Text und Fotos: F. M.