Bibliotheken haben sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Neben Büchern, Musik und Filmen ist es heutzutage üblich, dass man auch verschiedene Gegenstände, zum Beispiel Werkzeuge oder Brettspiele, ausleihen kann. In der Amerika-Gedenkbibliothek wird diese Abteilung „Bibliothek der Dinge“ genannt. Diese Sektion enthält jedoch auch eine zusätzliche Auswahl über die üblichen Haushaltsgegenstände hinaus, nämlich eine Selektion elektronischer Musikinstrumente.
Wie alle anderen Objekte in der Bibliothek der Dinge sind auch die Musikinstrumente mit einem normalen Bibliotheksausweis ohne zusätzliche Gebühr ausleihbar. Man kann bis zu drei Instrumente gleichzeitig für eine Leihfrist von 14 Tagen ausleihen, die dreimal verlängert werden kann. Das Sortiment umfasst verschiedene Geräte für unterschiedliche Bedürfnisse. Es gibt sowohl übliche analoge und digitale Synthesizer, Sampler, Drum Machines, Grooveboxes und Effektgeräte als auch MIDI-Controller und ein digitales Klavier. Für das DJing sind speziell dafür geeignete Schallplattenspieler, Mischpulte und Controller vorhanden. Außerdem findet man einen Kassettenspieler für analoge Aufnahmen und Wiedergabe sowie einen tragbaren Recorder für Aufzeichnungen unterwegs. Es gibt auch einige Geräte, die eher auf Kinder ausgerichtet sind und sich mehr Spielzeugen als seriösen Musikinstrumenten annähern, dennoch aber Möglichkeiten bieten, zu lernen, wie zum Beispiel Synthesizer funktionieren. Darüber hinaus gibt es neben dieser Auswahl auch einige ungewöhnlichere Instrumente.
Das Theremin ist das bekannteste Musikinstrument, das ohne Berührung gespielt wird. Es wurde 1920 von dem russischen Physiker Lew Termen erfunden, der im Westen als Leon Theremin bekannt ist, was es zu einem der frühesten praxistauglichen elektronischen Instrumente macht. Das ursprüngliche Theremin war ein analoger Synthesizer, der über zwei Antennen gesteuert wurde, die jedoch nicht als Funkantennen, sondern als Positionssensoren fungierten. Eine der Antennen steuert die Tonhöhe des Synthesizers, die andere die Lautstärke – abhängig von der Position der Hände des Spielers im Verhältnis zu den Antennen. Da man die genauen Tonhöhen nur durch Hören erkennen kann, gehört das Theremin zu den Instrumenten, die am schwierigsten zu beherrschen sind.
Die in der Amerika-Gedenkbibliothek erhältliche Theremin-Version ist das Moog Theremini. Anstelle eines analogen Synthesizers nutzt es einen digitalen Synthesizer zur Klangerzeugung. Eine Besonderheit dieses Theremins ist zudem, dass es über einen optionalen Quantisierer verfügt, der die möglichen Tonhöhen, die der Spieler erzeugen kann, auf eine ausgewählte Tonleiter beschränkt. Dies erleichtert das Spielen erheblich und macht es zu einem „Einsteiger-Theremin“, das sich gut zum Üben des Instruments eignet.
Das Ether von Soma Laboratory ist ein tragbarer Empfänger für elektromagnetische Wellen, der an Kopfhörer oder ein Aufnahmegerät, wie den oben genannten tragbaren Recorder, angeschlossen werden kann. Elektromagnetische Wellen entstehen ständig, wenn sich elektrische Ladungen in ihrer Geschwindigkeit oder Richtung verändern. In der Natur geschieht dies beispielsweise bei Blitzen oder Wärmestrahlung, im Bereich Technik beispielsweise bei Stromleitungen, Lampen, Motoren, Computern oder Radiosendern. Im Gegensatz zu einem Radioempfänger, der so eingestellt ist, dass er nur einen bestimmten Frequenzbereich empfängt, empfängt das Ether elektromagnetische Wellen von wenigen Hertz bis in den Gigahertz-Bereich. Da der menschliche Hörbereich ungefähr von 20 Hertz bis 20 Kilohertz reicht, ist es dennoch nötig, das Signal technisch umzuwandeln, um es in den hörbaren Bereich zu bringen.
Das Ether dient dazu, die Umgebung auf eine Weise abzuhören und aufzunehmen, wie sie Menschen ohne technische Hilfsmittel nicht wahrnehmen können, obwohl viele Tiere einen weitaus größeren Teil des Spektrums wahrnehmen. Wir sind ständig von elektromagnetischer Strahlung umgeben, und verschiedene Quellen erzeugen unerwartete Klanglandschaften. Die Klänge, die das Ether hervorbringt, sind im herkömmlichen Sinne nicht musikalisch, bieten jedoch verwertbares Rohmaterial für Sounddesign oder experimentellere Musik.
Weitere Informationen zum Ether kann man in der Bedienungsanleitung finden (auf Englisch): drive.google.com/file/d/1k_CwPolTYvHGCh4emmht8KaNa_-BXxV4
Jeden ersten Sonntag im Monat findet eine Veranstaltung über elektronische Musikinstrumente statt. Dort kann man Instrumente kennenlernen, ausprobieren und Fragen an das Personal mit musikalischer Expertise stellen.
Amerika-Gedenkbibliothek
Blücherplatz. 1
10961 Berlin
(U-Bahnhof Hallesches Tor)
Weitere Informationen über die Musikinstrumentausleihe und die Veranstaltungen: www.zlb.de/beepbib
Text und Fotos: H. P.


