Wildkaninchen im Park am Gleisdreieck

Manche Tiere sind sogenannte Kulturfolger. Sie profitieren von Umgebungen, die durch den Menschen verändert wurden, und folgen ihm daher. Städte sind ein Typ solcher Umgebungen und, wie in den meisten Städten, gibt es auch in Berlin Stadttiere. Im Vergleich zu landwirtschaftlichen Monokulturflächen im Umland bieten Städte oft eine deutlich größere Vielfalt an Lebensraumtypen, und in Berlin ist die Zahl der Tierarten auch aufgrund des großen Anteils an Grün- und Wasserflächen überdurchschnittlich hoch. Eine dieser Arten ist das Wildkaninchen.

Das ursprünglich von der Iberischen Halbinsel und aus Nordafrika stammende Wildkaninchen gibt es heute fast überall in Europa, außer im Norden und Osten. In der Berliner Innenstadt leben nach Schätzungen einige tausend Wildkaninchen, vor allem in Umgebungen wie Parks, Gärten und Friedhöfen. Grüne Städte wie Berlin können für sie vorteilhaft sein, weil sich ihnen gute Lebensbedingungen bieten und sie wenige natürliche Feinde haben. Hier sind solche Fressfeinde meistens nur Füchse und Greifvögel, doch neben natürlichen Feinden stellen auch Hunde und Katzen eine Gefahr dar.

Im Gegensatz zu Hasen sind Kaninchen soziale Tiere und leben in hierarchischen Gruppen von acht bis zwölf Mitgliedern. Sie bauen weit verzweigte Gangsysteme mit mehreren Eingängen und entfernen sich nur selten mehr als ein paar hundert Meter von ihrem Bau. Die Kaninchenhöhlen können bis zu 3 m tief und Dutzende Meter lang sein. Die Redewendung „sich vermehren wie Kaninchen“ ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Paarungszeit dauert über die gesamte warme Jahreszeit an und unter günstigen Bedingungen kann es bis zu sieben Würfe pro Jahr geben.

Wenn die Lebensbedingungen optimal sind, können Wildkaninchen bis zu zehn Jahre alt werden. In freier Wildbahn ist die Lebenserwartung mit etwa zwei Jahren jedoch deutlich niedriger. Viele überleben den ersten Winter nicht und nur ein Zehntel erreicht das dritte Lebensjahr.

Wildkaninchen sind dämmerungsaktiv, also ist die beste Zeit, sie zu sehen, um Sonnenaufgang oder -untergang, wenn sie auf Nahrungssuche sind. Wenn die Umgebung ruhig ist, können sie auch tagsüber aktiv sein. Sonst verbringen sie die Zeit meist im Bau.

Einige Parks, in denen man in Berlin Wildkaninchen häufig sieht, sind der Park am Gleisdreieck, der Tiergarten und der Treptower Park. Wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, sieht man sie fast sicher. Sie sind weniger scheu als Hasen und in Städten einigermaßen daran gewöhnt, dass Menschen keine Gefahr darstellen. In Parks sieht man sie oft auf Rasenflächen in der Nähe von Gebüschen oder Waldstücken.

Wie bei allen Wildtieren sollte man Wildkaninchen weder füttern noch stören. Hunde sollten an der Leine geführt und Kinder beaufsichtigt werden. Man sollte die Kaninchen aus der Ferne beobachten und ihnen ihre Ruhe lassen. Wildtiere zu Füttern kann für die Tiere sehr schädlich sein und ist generell auch gesetzlich verboten. Die Faustregel im Umgang zwischen Menschen und Wildtieren ist: Je weniger Kontakt, desto besser für die Tiere.

Text und Fotos: H. P.