Kirche am Südstern – Friedhöfe an der Bergmannstraße – Marheineke Platz – Passionskirche – Marheineke Markthalle – Bergmannstraße – Chamissoplatz
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KIRCHE AM SÜDSTERN
Die Kirche am Südstern in Berlin ist eine evangelische Kirche im Ortsteil Kreuzberg und prägt mit ihrem hohen Turm markant den Platz am Südstern und die umliegende Stadtsilhouette. Sie wurde im späten 19.Jahrhundert als Garnisonkirche errichtet und dient heute einer freikirchlichen Gemeinde als Gotteshaus.
Lage und städtebauliche Bedeutung
Die Kirche steht am Südstern, einem Platz im Norden des Berliner Ortsteils Kreuzberg nahe der Grenze zu Neukölln. Durch ihre Größe und den bis zur Spitze rund 90 Meter hohen Turm gehört sie zu den weithin sichtbaren Sakralbauten der Stadt und dominiert den Platz räumlich deutlich.
Entstehung und Baugeschichte
Errichtet wurde die damalige Neue Garnisonkirche zwischen 1894 und 1897 auf dem damaligen Kaiser-Friedrich-Platz nach Plänen des Garnison-Bauinspektors Ernst August Roßteuscher. Sie war für die evangelische Militärseelsorge der Soldaten in den Kasernen am Tempelhofer Feld bestimmt und wurde dementsprechend großzügig dimensioniert.
Architektur und Ausstattung
Die Kirche ist im neugotischen Stil ausgeführt, mit einem kreuzförmigen Grundriss, Backstein- und Werksteingliederungen sowie einem hohen, schlanken Hauptturm. Das Bauwerk misst etwa 62 Meter in der Länge und rund 38 Meter in der Breite, wobei der Innenraum als Predigtkirche mit stark aufgeweitetem Mittelschiff und Vierung gestaltet ist, um gute Sicht- und Hörverhältnisse von allen Plätzen zu gewährleisten.
Im Innenraum wurde eine große Orgel der Firma Sauer eingebaut, die Ende des 19.Jahrhunderts entstand und später mehrfach verändert und repariert wurde. Im Laufe des 20.Jahrhunderts kam es infolge von Kriegsereignissen, Materialabgaben und späteren Eingriffen zu Verlusten und Umgestaltungen der ursprünglichen Disposition.
Nutzungsgeschichte im 20.Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Kirche ihre Funktion als Garnisonkirche und wurde zunächst vom Reichsfiskus gepachtet, um sie weiterhin als evangelisches Gotteshaus zu betreiben. Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Gebäude Schäden, die in der Nachkriegszeit behoben wurden, als die Berliner Stadtmission die Kirche übernahm und sie in „Kirche am Südstern“ umbenannte.
In den Jahrzehnten danach wurde das Gebäude zeitweise von der serbisch-orthodoxen Kirche genutzt, bevor es Anfang der 1980er Jahre in den Besitz des Christlichen Zentrums Berlin überging. Die wechselnde Nutzung durch verschiedene kirchliche Träger spiegelt die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen Berlins im 20. Jahrhundert wider.

Lilienthalstraße mit der Sankt Johannes Basilika im Hintergrund
Heutige Funktion und Gemeindeleben
Heute ist die Kirche am Südstern Heimat des Christlichen Zentrums Berlin, einer evangelisch-charismatischen Freikirche, die dort ihre Gottesdienste und Veranstaltungen durchführt. Das Gebäude ist zu den üblichen Gottesdienstzeiten öffentlich zugänglich und wird neben dem Gemeindeleben auch für unterschiedliche kirchliche Angebote und Veranstaltungen genutzt.
FRIEDHÖFE AN DER BERGMANNSTRASSE
Die Friedhöfe an der Bergmannstraße in Berlin–Kreuzberg bilden einen der bedeutendsten historischen Friedhofskomplexe der Stadt und verbinden Stadtgeschichte, Architektur und Natur auf engem Raum. Entlang der Bergmannstraße zwischen Marheinekeplatz und Südstern gelegen, öffnen sie sich als zusammenhängende grüne Insel in einem dicht bebauten Viertel und sind heute sowohl Begräbnisstätte als auch Ort der Erinnerungskultur und Naherholung.
Lage und Aufbau
Der Friedhofskomplex erstreckt sich auf rund 21 Hektar zwischen der Bergmannstraße im Norden und dem Südstern im Süden. Vier einst eigenständige kirchliche Begräbnisplätze liegen hier unmittelbar nebeneinander: der Dreifaltigkeitsfriedhof, der Luisenstädtische Friedhof, der Friedhof der Friedrichwerderschen Gemeinde und der Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirche. Durch Mauerdurchbrüche sind die Anlagen heute miteinander verbunden, sodass Besucherinnen und Besucher die Grenzen zwischen den Friedhöfen beim Gang durch die Wege kaum wahrnehmen.
Historische Entwicklung
Die Friedhöfe entstanden im 19. Jahrhundert auf ehemaligen Weinbergen vor den damaligen Stadtgrenzen, als die innerstädtischen Kirchhöfe überlastet waren. Den Anfang machte 1825 der Dreifaltigkeitsfriedhof, gefolgt vom Luisenstädtischen Friedhof (1831), dem Friedrichwerderschen Kirchhof (1844) und schließlich dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirche im Jahr 1852. Mit der städtebaulichen Verdichtung Berlins wuchsen die Friedhöfe allmählich in die Stadt hinein und dokumentieren so die Entwicklung vom Randbereich zum innerstädtischen Quartier.
Denkmalschutz und Bedeutung
Alle vier Friedhöfe stehen als Gartendenkmal unter Schutz und gelten heute als nationales Kulturgut. Erhaltene Wegeführungen, alte Baumbestände, historischer Grabmalschmuck und Umfassungsmauern machen die Anlage zu einem wichtigen Zeugnis preußischer und Berliner Begräbniskultur. Zuständig ist der Evangelische Friedhofsverband Berlin, der die Friedhöfe sowohl als aktive Begräbnisplätze als auch als historische Anlagen betreut.
Architektur und Grabmalkunst
Auf den Friedhöfen finden sich zahlreiche monumentale Erbbegräbnisse, Mausoleen und künstlerisch gestaltete Grabdenkmäler aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. Besonders ins Auge fallen reich geschmückte Jugendstilgräber, aufwendige Sandstein- und Marmorskulpturen sowie gusseiserne Elemente, die den Wandel der Sepulkralkultur über mehrere Jahrzehnte dokumentieren. Zu den markanten Anlagen zählt etwa ein monumentales Erbbegräbnis der Industriellenfamilie Krause mit einer Christusfigur und Mosaikdekoration sowie mehrere architektonisch betonte Familiengräber entlang der Friedhofsmauern.
Bedeutende Persönlichkeiten
Die Friedhöfe dienen als letzte Ruhestätte zahlreicher Personen aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft. Zu den bekannten Namen gehören der Politiker und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann, der Architekt Martin Gropius, der Philosoph und Theologe Friedrich Schleiermacher, der Dichter Ludwig Tieck sowie der Historiker Theodor Mommsen. Ihre Grabstätten sind teils künstlerisch herausragend gestaltet und machen den Komplex zu einem wichtigen Ort der Berliner Erinnerungskultur.
Naturraum und Atmosphäre
Trotz der innerstädtischen Lage herrscht auf den Wegen der Friedhöfe eine ausgeprägte Ruhe, die sich deutlich von der belebten Bergmannstraße abhebt. Alte Bäume, Sträucher und teils verwilderte Bereiche schaffen Lebensraum für Vögel, Insekten und kleinere Wildtiere und verleihen den Friedhöfen einen parkähnlichen Charakter. Zwischen dichten Grabreihen wechseln sich schattige Alleen, offene Wiesenflächen und verwinkelte Pfade ab, sodass sich unterschiedliche Raumeindrücke ergeben.
Nutzung heute
Die Friedhöfe werden weiterhin als aktive Begräbnisstätten genutzt, zugleich sind sie ein öffentlich zugänglicher Ort für Spaziergänge, stille Besuche und kulturhistorisches Interesse. Führungen, digitale Angebote und Informationsmaterialien machen auf die Geschichte der Anlage, bedeutende Gräber und die Gestaltung der Grabmalkunst aufmerksam, ohne den Charakter des Ortes als Ruhestätte zu überlagern. Durch die Nähe zur Bergmannstraße mit ihren Cafés und Läden haben sich die Friedhöfe zu einem festen Bestandteil des Alltagslebens im Stadtteil Kreuzberg entwickelt, bleiben aber in ihrer Grundfunktion Ort des Gedenkens.
Besuch und Erreichbarkeit
Der Haupteingang liegt an der Bergmannstraße 39–47, weitere Zugänge befinden sich in Richtung Südstern. Erreichbar ist die Anlage unter anderem über die U-Bahn-Linie U7 (Station Südstern) sowie mehrere Buslinien, die im Umfeld der Bergmannstraße verkehren. Die Öffnungszeiten variieren saisonal; im Sommer sind die Friedhöfe in der Regel von morgens bis in die Abendstunden zugänglich, im Winter schließen sie deutlich früher.
MARHEINEKEPLATZ
Der Marheinekeplatz ist ein Stadtplatz welcher im Süden von der Bergmannstraße, im Westen von der Zossener Straße, im Osten von der Schleiermacherstraße und im Norden von der gleichnamigen Straße „Marheinekeplatz“ eingefasst wird. Der Platz gehört zum sogenannten Bergmannkiez, einem innerstädtischen Wohngebiet mit dichter Blockrandbebauung aus der Zeit der Gründerjahre.
Entstehung und Stadtstruktur
Der Platz entstand im Zuge der planmäßigen Bebauung des Wohnquartiers im 19.Jahrhundert und war von Beginn an als kombinierter Markt- und Aufenthaltsplatz angelegt. Die Anlage orientierte sich an den damaligen städtebaulichen Vorstellungen, innerstädtische Wohngebiete durch Plätze mit Versorgungs- und Gemeindefunktionen zu strukturieren. Bis zur Errichtung einer überdachten Markthalle wurde die Fläche als offener Marktplatz genutzt.
Marheineke Markthalle
Auf der westlichen Hälfte des Platzes befindet sich die Markthalle XI, die 1892 eröffnet wurde und aufgrund ihrer Lage Marheinekehalle genannt wird. Sie wurde nach Plänen des Berliner Stadtbaurats Hermann Blankenstein errichtet und bot ursprünglich über 270 Marktstände auf einer Verkaufsfläche von rund 2800 Quadratmetern. Die Halle ist Teil des historischen Systems städtischer Markthallen, das offene Märkte ersetzen und bessere hygienische Bedingungen für die Lebensmittelversorgung schaffen sollte.
Zerstörung und Wiederaufbau
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Markthalle schwer beschädigt, sodass nach 1945 nur Teile der Bausubstanz erhalten blieben. In den 1950er-Jahren beschloss die Stadt den Wiederaufbau, der nach längeren verwaltungstechnischen Verzögerungen und Diskussionen schließlich Mitte des Jahrzehnts begann. Die heutige bauliche Gestalt geht auf diesen Wiederaufbau und spätere Modernisierungen zurück, bei denen auch zeitgemäße Nutzungskonzepte für den innerstädtischen Einzelhandel berücksichtigt wurden.
Passionskirche und weitere Gebäude
Auf der östlichen Seite des Platzes steht die evangelische Passionskirche, die im frühen 20.Jahrhundert im neoromanischen Stil errichtet wurde. Sie bildet mit ihrem Turm einen markanten baulichen Akzent und wird neben gottesdienstlichen Zwecken auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Ergänzt wird das Ensemble durch Wohn- und Geschäftshäuser sowie gastronomische Betriebe, die den Platz zu einem lokal bedeutsamen Versorgungsstandort machen.
Nutzung und Atmosphäre
Der Marheinekeplatz dient als Nahversorgungs- und Aufenthaltsort für die umliegende Bewohnerschaft und Besucherinnen und Besucher des Bergmannkiezes. In der Markthalle verbinden sich traditionelles Markttreiben mit Angeboten regionaler und internationaler Lebensmittel, während Cafés und Imbisse zur längeren Verweildauer einladen. Die Mischung aus Handel, Gastronomie, kirchlichen und kulturellen Angeboten trägt zu einer lebendigen, zugleich überschaubaren Platzatmosphäre bei.
Freizeit- und Familienangebote
Auf der Freifläche des Platzes befindet sich ein eingezäunter Spielplatz mit verschiedenen Spielgeräten wie Rutschen, Kletter- und Schaukelsystemen. Der sandbetonte Untergrund bietet insbesondere kleineren Kindern die Möglichkeit zum gefahrlosen Spielen und Buddeln. An Wochenenden findet zudem ein Trödelmarkt statt, der das reguläre Angebot ergänzt und den Platz auch für Besucher aus anderen Stadtteilen attraktiv macht.
PASSIONSKIRCHE
Die Passionskirche am Marheinekeplatz in Berlin ist ein evangelisches Gotteshaus aus dem frühen 20.Jahrhundert. Sie liegt am Marheinekeplatz unweit der Bergmannstraße und prägt durch ihre wuchtige Backsteinarchitektur den Platz und die umliegende Stadtszenerie.
Entstehung und Geschichte
Die Passionskirche wurde zwischen 1905 und 1908 als dritte Kirche der Heilig-Kreuz-Gemeinde in der damaligen Tempelhofer Vorstadt errichtet. Bauherrin war die Berliner Stadtsynode, die mit dem Neubau sowohl dem wachsenden Bedarf an Gemeinderaum als auch städtebaulichen Vorstellungen Rechnung tragen wollte.
Die Planung übernahm der Baurat Theodor Astfalck, der die Kirche als Zentralbau nach den Grundsätzen des sogenannten Wiesbadener Programms konzipierte. Am 2.Januar 1908 wurde die Kirche eingeweiht, im Oktober desselben Jahres wurde die Passionsgemeinde selbstständig.
Architektur und Ausstattung
Die Passionskirche ist im neuromanischen Stil aus Ziegeln im sogenannten Klosterformat errichtet und erscheint nach außen burgähnlich. Ihr quadratischer Grundriss wird durch einen mittig angeordneten Turm und vier Ecktürme so gegliedert, dass die Grundfläche die Form eines griechischen Kreuzes erhält.
Die Fassaden sind durch Rundbögen mit Rosettenschmuck und Treppentürme gegliedert und betonen die Ecklage am Marheinekeplatz. Im Inneren prägen unter anderem ein großer, kreisförmiger Kronleuchter mit farbigem Glas im Jugendstil sowie eine Mosaikdarstellung im Altarraum das Erscheinungsbild. Die Orgel stammt von Karl Ludwig Schuke und wurde in den 1950er Jahren eingebaut.
Kriegszerstörungen und Wiederherstellung
Im Jahr 1944 wurde die Passionskirche im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe erheblich beschädigt. Zwischen 1951 und 1953 erfolgte eine Wiederherstellung in vereinfachter Form, wobei ein großer Teil der ursprünglichen Ausstattung erhalten blieb.
Ab 1957 wurden weitere Arbeiten zur Erhaltung durchgeführt; 1967 erhielten drei große Kirchenfenster Glasmalereien mit biblischen Motiven wie Gethsemane, Kreuzigung und Kreuzabnahme. Das Gebäude wurde in die Berliner Denkmalliste aufgenommen und gilt heute als Baudenkmal von städtebaulicher und kirchengeschichtlicher Bedeutung.
Umbau zur Kultur- und Veranstaltungskirche
Seit den 1970er Jahren verlagerte die Gemeinde ihren Schwerpunkt zunehmend auf Stadtteilarbeit und Angebote für sozial benachteiligte Gruppen. Gleichzeitig entwickelte sich die Passionskirche zu einer Kulturkirche, in der neben Gottesdiensten auch Vorträge, Lesungen und zahlreiche Konzerte stattfinden.
In den 1990er Jahren wurde der Innenraum umfassend saniert und technisch modernisiert. Dabei wurden Ton- und Lichttechnik, eine Fußbodenheizung sowie eine verbesserte Infrastruktur für Veranstaltungen eingebaut, ohne das grundlegende Erscheinungsbild des Innenraums zu verändern. Durch diese Maßnahmen wird die Kirche heute sowohl als Gotteshaus als auch als Konzert- und Eventort genutzt, der für unterschiedliche kulturelle Formate angemietet werden kann.
Heutige Nutzung und Gemeindestruktur
Seit dem Jahr 2000 gehört die Passionskirche organisatorisch zur Evangelischen Kirchengemeinde Heilig Kreuz-Passion. Sie bietet im Kirchenraum mehrere hundert Sitzplätze und ist regelmäßig für Gottesdienste, kulturelle Veranstaltungen und stille Besuche geöffnet.
Mit ihrer Lage im Bergmannkiez und der Kombination aus sakralem Raum und Veranstaltungstechnik hat sich die Passionskirche als fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Kreuzberg etabliert. Gleichzeitig bleibt sie ein Ort für Einkehr, Gebet und Gemeindearbeit im Herzen des dicht bebauten Wohnviertels rund um den Marheinekeplatz.
MARKTHALLE AM MARHEINEKEPLATZ
Die Marheinekehalle in Berlin ist eine historische Markthalle im Bergmannkiez im Ortsteil Kreuzberg und zählt zu den wenigen erhaltenen überdachten Markthallen der Stadt. Sie dient heute als lokal verankerter Versorgungs- und Begegnungsort und verbindet traditionelle Marktstrukturen mit zeitgemäßen Einkaufs- und Gastronomiekonzepten.
Lage und städtebaulicher Kontext
Die Halle befindet sich am Marheinekeplatz zwischen Zossener Straße und Bergmannstraße im dicht bebauten Kreuzberger Gründerzeitquartier. Durch die Einbettung in ein belebtes Wohn- und Geschäftsviertel fungiert sie als Nahversorgungszentrum für Anwohnende sowie als Anlaufpunkt für Besucherinnen und Besucher aus anderen Stadtteilen.
Geschichte und Entwicklung
Die Markthalle wurde als Markthalle XI am 15. März 1892 eröffnet und war Teil eines kommunalen Programms zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung und Hygiene in Berlin. Im Ersten Weltkrieg wurde sie zeitweise als Volksküche genutzt, in der täglich tausende Berlinerinnen und Berliner mit Mahlzeiten versorgt wurden.
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Halle schwere Zerstörungen, wobei große Teile des Baukörpers verloren gingen. In den Nachkriegsjahren setzten sich Händlergemeinschaften für den Wiederaufbau ein, sodass die Markthalle schrittweise wiederhergestellt und an neue Versorgungsbedürfnisse angepasst wurde.
Architektur und bauliche Gestaltung
Die ursprüngliche Markthalle entstand nach Plänen des Stadtbaurats Hermann Blankenstein unter Mitwirkung von August Lindemann und war als geschlossene Halle mit klar strukturierter Standanordnung konzipiert. Die frühe Ausführung orientierte sich an funktionalen Gesichtspunkten wie Belichtung, Belüftung und hygienischer Trennung der Verkaufsflächen, zugleich fügte sie sich mit ihrer Hallenstruktur in die umgebende Blockbebauung ein.
Im Zuge von Wiederaufbau- und Modernisierungsphasen wurden Teile der historischen Substanz vereinfacht oder erneuert, ohne den Charakter einer überdachten Markthalle aufzugeben. Der Innenraum ist heute durch eine großflächige, offene Marktfläche mit klar gegliederten Ständen und breiten Gängen geprägt, die die Orientierung erleichtern und unterschiedliche Nutzungen ermöglichen.
Angebotsstruktur und Nutzung
Die Verkaufsfläche umfasst rund 2.500 Quadratmeter, auf denen zahlreiche Stände und Geschäfte angesiedelt sind. Zum Warenspektrum gehören frische Lebensmittel wie Fleisch, Käse, Brot, Fisch, Obst, Gemüse und Blumen, ergänzt um Produkte aus ökologischer und regionaler Produktion.
Neben klassischen Marktständen sind gastronomische Angebote und Spezialitätengeschäfte vertreten, darunter Anbieter mediterraner und nahöstlicher Produkte sowie ein auf vegane Waren spezialisierter Supermarkt. Ergänzend finden sich Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, sodass die Halle eine Mischung aus Lebensmittelversorgung, Gastronomie und kleinteiligem Gewerbe bildet.
Soziale und kulturelle Bedeutung
Die Marheinekehalle wird im Alltag vor allem von Anwohnerinnen und Anwohnern genutzt, die dort regelmäßig einkaufen oder gastronomische Angebote wahrnehmen. Durch die Kombination aus Stammkundschaft und stadtweitem Publikum fungiert die Halle als sozialer Treffpunkt und trägt zur Quartiersidentität im Bergmannkiez bei.
Die Verbindung von regionalen Erzeugnissen, internationalen Spezialitäten und gastronomischen Angeboten macht die Halle zudem zu einem Ort, an dem unterschiedliche Esskulturen sichtbar und erlebbar werden. Dadurch erfüllt sie neben ihrer Versorgungsfunktion auch eine Rolle im kulturellen und touristischen Profil Kreuzbergs.
BERGMANNSTRASSE
Die Bergmannstraße in Kreuzberg ist eine der bekanntesten Straßen des Bezirks und prägt den sogenannten Bergmannkiez zwischen Mehringdamm und Südstern in Ost-West-Richtung. Sie verbindet einen lebhaften Abschnitt mit dichter Gewerbenutzung und Gastronomie mit einem ruhigeren Teil, der von historischen Friedhöfen und Wohnhäusern geprägt ist.
Lage und Stadtbild
Die Bergmannstraße verbindet den Knotenpunkt Mehringdamm mit dem Bereich Südstern/Gneisenaustraße. Das Straßenbild ist von Gründerzeitbebauung, Erdgeschossläden und relativ dichter Blockrandbebauung geprägt, was ihr einen städtischen Charakter mit kleinteiligen Strukturen verleiht.
Im westlichen Abschnitt dominiert eine hohe Dichte an Cafés, Restaurants, Bars und kleinen Geschäften, die die Straße zu einer stark frequentierten Flanier- und Einkaufsmeile machen. Östlich des Marheinekeplatzes wird die Straße deutlich ruhiger; hier grenzen mehrere Friedhöfe mit viel Grün an, wodurch der Bereich eine eher zurückgenommene, fast parkähnliche Atmosphäre erhält.
Historische Entwicklung
Die Straße wurde im frühen 19.Jahrhundert angelegt und diente zunächst als Zugang zu Weinbergen südlich der heutigen Trasse. Am 20.April 1837 erhielt sie den Namen Bergmannstraße nach der Großgrundbesitzerin Marie Luise Bergmann, der die umliegenden Ländereien gehörten.
Gegen Ende des 19.Jahrhunderts entwickelte sich das Umfeld zu einem dicht bebauten städtischen Quartier mit Mietshäusern, Fabriken und öffentlichen Einrichtungen, wobei die Bergmannstraße eine wichtige Geschäftsstraße wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Teile der Bausubstanz beschädigt, doch viele Häuser sowie die Funktion als lokales Versorgungszentrum blieben erhalten und prägten auch die Nachkriegszeit.
Wirtschaft und Alltagsleben
Heute ist die Bergmannstraße eine ausgeprägte Einkaufs- und Gastronomieachse mit internationalem Angebot, die sowohl von Anwohnenden als auch von Besuchenden genutzt wird. Neben Boutiquen, Lebensmittelgeschäften und Dienstleistern sind zahlreiche Imbisse und Restaurants angesiedelt, die unterschiedliche Küchen repräsentieren und zur touristischen Anziehungskraft beitragen.
Ein zentrales Element ist die Marheineke-Markthalle, die Ende des 19.Jahrhunderts als Markthalle errichtet, nach Kriegszerstörungen wiederaufgebaut und später modernisiert wurde. Sie dient als überdachter Wochenmarkt mit festen Ständen und gastronomischen Angeboten und stärkt die Versorgungsfunktion des Quartiers.
Soziale Veränderungen und Gentrifizierung
Seit den 1970er- und 1980er-Jahren ist das Umfeld der Bergmannstraße Teil der allgemeinen sozialpolitischen Entwicklungen in Kreuzberg, darunter Hausbesetzungen, alternative Projekte und eine ausgeprägte linke Szene. Nach der deutschen Wiedervereinigung wandelte sich Kreuzberg 61 zunehmend zu einem begehrten Wohngebiet, in dem Sanierungen und Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen stattfanden.
Diese Entwicklung führte zu steigenden Mieten, einem Rückgang traditioneller Eckkneipen und der Zunahme von gastronomischen und touristischen Angeboten, was vielfach als Ausdruck von Gentrifizierung beschrieben wird. Gleichzeitig wird der Kiez aufgrund seiner Infrastruktur und Wohnqualität von vielen Bewohnerinnen und Bewohnern positiv bewertet.
Verkehr und Stadtplanung
Die Bergmannstraße war in den vergangenen Jahren Gegenstand verschiedener verkehrs- und stadtplanerischer Konzepte, die eine Reduktion des Autoverkehrs und eine stärkere Ausrichtung auf den Fuß- und Radverkehr verfolgt haben. In diesem Zusammenhang wurden veränderte Park- und Verkehrsregelungen sowie temporäre Gestaltungsmaßnahmen erprobt, was teils zu intensiven lokalen Diskussionen führte.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Straße als Aufenthalts- und Wohnort aufzuwerten, die Lärmbelastung zu verringern und mehr Raum für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmende zu schaffen. Die konkrete Ausgestaltung wird im Rahmen der bezirklichen Planung immer wieder angepasst und diskutiert.
Kulturelle Bedeutung
Der Chamissoplatz ist ein innerstädtischer Platz in Kreuzberg und liegt zwischen der Willibald-Alexis-Straße und der Arndtstraße. Er gehört zu einem weitgehend einheitlich erhaltenen Gründerzeitquartier, das heute zu den besonders nachgefragten Wohnlagen im südlichen Kreuzberg zählt.
Seit 1994 findet im westlichen Teil der Straße alljährlich im Juni das Straßenfest „Kreuzberg jazzt!“ statt, das mit mehreren Bühnen und hoher Besucherzahl zu den bedeutenden Veranstaltungen im Bezirk zählt. Neben diesem Ereignis tragen kleinere Märkte und kulturelle Angebote zur Rolle der Bergmannstraße als öffentlichem Begegnungsraum bei.
CHAMISSOPLATZ
Der Chamissoplatz ist ein innerstädtischer Platz in Kreuzberg und liegt zwischen der Willibald-Alexis-Straße und der Arndtstraße. Er gehört zu einem weitgehend einheitlich erhaltenen Gründerzeitquartier, das heute zu den besonders nachgefragten Wohnlagen im südlichen Kreuzberg zählt.
Lage und städtebaulicher Charakter
Der Chamissoplatz bildet das Zentrum des sogenannten Chamissokiezes, eines Wohngebiets mit geschlossener Blockrandbebauung aus dem späten 19.Jahrhundert. Kopfsteinpflaster, historische Gaslaternen und durchgehende fünfgeschossige Mietshäuser prägen das Straßenbild und vermitteln einen Eindruck der wilhelminischen Epoche.
In der Mitte des Platzes befindet sich eine etwa 5500 Quadratmeter große Grünanlage mit Bäumen und Spielbereichen, die von geschützten Wohnhäusern umschlossen wird. Die Gestaltung als begrünter Hofraum verleiht dem Platz den Charakter eines ruhigen Wohn- und Aufenthaltsortes inmitten dichter Bebauung.
Historische Entwicklung
Das umliegende Quartier entstand zwischen etwa 1850 und 1900 im Zuge der Berliner Stadterweiterung nach Plänen des Stadtbaurats James Hobrecht. Der eigentliche Platz wurde 1887 nach einem Entwurf des Gartendirektors Hermann Mächtig als Schmuckplatz angelegt.
Seinen Namen erhielt der Chamissoplatz 1890 zu Ehren des Dichters und Naturforschers Adelbert von Chamisso, der seit Ende des 18. Jahrhunderts in Berlin lebte. Die Bebauung blieb im Zweiten Weltkrieg von schweren Zerstörungen weitgehend verschont, sodass die historische Bausubstanz in seltener Geschlossenheit erhalten blieb.
Denkmal- und Stadterneuerung
Seit den 1960er-Jahren gilt das Gebiet um den Chamissoplatz als geschützter Baubereich, später wurde es zudem als Sanierungsgebiet ausgewiesen. In den 1970er-Jahren gehörte der Kiez zu den frühen Beispielen einer „behutsamen Stadterneuerung“, bei der Wohnqualität verbessert und gleichzeitig die gewachsene Bausubstanz erhalten wurde.
Nahezu alle Gebäude rund um den Platz stehen heute unter Denkmalschutz, einschließlich der historischen Fassaden und städtebaulichen Struktur. Diese Schutzstellung trägt dazu bei, das Erscheinungsbild des Quartiers langfristig zu sichern und großflächige Neubauten zu begrenzen.
Nutzung und Alltag
Die Grünfläche in der Platzmitte dient vor allem den Anwohnerinnen und Anwohnern als Aufenthalts- und Spielfläche. Ein Teil des Areals ist als Kinderspielplatz gestaltet, wodurch der Platz eine wichtige Funktion als wohnungsnahe Freifläche übernimmt.
Jeden Sonnabend findet auf dem Chamissoplatz ein Biomarkt mit überwiegend regionalen Produkten statt, der Besucher aus dem weiteren Umfeld anzieht. Daneben wird der Platz aufgrund seines historischen Ambientes regelmäßig von Stadtführungen angesteuert und gelegentlich als Filmkulisse genutzt.
Architektonische Details
Typisch für den Platz sind reich verzierte Stuckfassaden der Gründerzeit, die den historischen Charakter des Quartiers unterstreichen. Ergänzt wird dieses Bild durch Details wie das grün lackierte achteckige Pissoir („Café Achteck“) an einer Ecke des Platzes.
In Stadtführern und Medien wird der Chamissoplatz häufig als anschauliches Beispiel eines gut erhaltenen Berliner Gründerzeitviertels beschrieben. Gleichzeitig steht der Kiez aufgrund seiner Attraktivität immer wieder im Fokus stadtpolitischer Diskussionen um Schutz, Aufwertung und soziale Durchmischung.
Fotos und Text: F. H.









































