In Berlin ist die Verbreitung der Kleingärten nach 1870 untrennbar mit den damaligen sozialen Problemen der schnell wachsenden Industriemetropole verbunden. Geldmangel, überbelegte Mietskasernen und enge Hinterhöfe mit nur wenig Grün prägten das Leben der Arbeiterschaft. Daher kommt auch der frühere Begriff der “Armengärten“, da sie vor allen Dingen der Nahrungsversorgung dienten.
Mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verloren hunderttausende Berlinerinnen und Berliner ihre Wohnung. Daher wurde es ab November 1945 den Kleingärtnern erlaubt, auf fünf Jahre befristet in der Laube zu wohnen. Gleichzeitig wurden die Kleingärten noch einmal zum wichtigen Nahrungslieferanten für die Stadt und behielten diese Rolle bis weit in die 50er Jahre.
Gartenkolonie am Potsdamer Güterbahnhof
Heute dienen die Kleingärten (auch Schrebergärten genannt) vornehmlich der Erholung. Darüber hinaus sind die 925 Kleingartenanlagen mit ihren ca. 73.000 Parzellen in Berlin ein wesentlicher Bestandteil des Grünflächensystems der Stadt.
Friedrichshain-Kreuzberg verfügt allerdings nur noch über zwei Kleingartenanlagen mit insgesamt 122 Parzellen. Und es werden immer weniger. Die Dauerkleingartenanlage „Alfred Kowalke“ in Friedrichshain mit ihren 47 Parzellen und die Kleingartenkolonie „Potsdamer Güterbahnhof“ (Kreuzberg) sind im Bezirk die letzten ihrer Art.
Die Kolonie am Potsdamer Güterbahnhof, eingebettet zwischen den S-Bahn-Gleisen am Bahnhof Yorckstraße, dem Beachvolleyballplatz und dem neuen Park am Gleisdreick, wurde 1948 als wilde Kolonie auf den Trümmern des ehemals größten Güterbahnhofs Europas gegründet. Durch diese, heute sehr exponierte Lage werden selbstverständlich Begehrlichkeiten von vielen Seiten geweckt. Somit mussten sich die Kleingärtner in der Vergangenheit, aber wohl auch in der nahen Zukunft, den Fortbestand ihrer Gärten mit hohem persönlichen Engagement erstreiten. Langfristig allerdings dürfte der Fortbestand dieser malerischen Kleingartenkolonie realistischerweise mehr als fraglich sein.
Die Dauerkleingartenanlage „Alfred Kowalke“ liegt auf der Halbinsel Alt-Stralau an der Rummelsburger Bucht, gegenüber dem Treptower Park. Ebenfalls im Jahre 1948 gegründet, diente die Anlage den NutzerInnen nach dem Zweiten Weltkrieg zur Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln wie Kartoffeln, Bohnen, Erbsen und Rüben. Heute steht natürlich auch der individuelle Erhohlungswert im Mittelpunkt. Ihr Bestand ist wohl zumindest als gesichert anzusehen.