Das Regal in der Prinzen­straße

The Shelf in der Prinzen­straße in Berlin ist ein markanter Büro- und Ge­werbe­komplex im Herzen von Kreuz­berg, der in den letzten Jahren zu einem Sinn­bild für den Wandel des Quartiers ge­worden ist. Seine Archi­tektur, sein Nutzungs­konzept und die städte­bauliche Ein­bindung spiegeln aktuelle Vor­stellungen von New Work, urbaner Ver­dichtung und grüner Arbeits­um­ge­bung wider.

The Shelf be­findet sich in der Prinzen­straße, an der Kreuzung zur Ritter­straße. Der Ge­bäude­komplex schließt einen zuvor offenen Block­rand und knüpft an die Tradition der his­torischen Berliner Ge­werbe­höfe an, die das Quartier seit dem 19. Jahr­hundert prägen.

Die Lage ve­rbindet den kreativen und gastro­nomischen Charakter Kreuz­bergs mit einer sehr guten An­bindung an den öffentl­ichen Nah­ver­kehr und die Innen­stadt. Für Unter­nehmen ent­steht damit ein Stand­ort, der urbane Atmosphäre, Kiez­nähe und profes­sionelle Infra­struktur kombiniert.

Architektonisch zeichnet sich The Shelf durch einen fünf­ge­schossigen Gebäude­komplex aus, dessen Fas­sade durch seine Gliederung und Farbig­keit be­wusst auf die um­ge­bende Be­bau­ung Be­zug nimmt. Der Name „The Shelf“ leitet sich vom Ein­druck eines vor­ge­setzten Regals ab, den die strukturierte Fassaden­ge­staltung ver­mittelt und der das Ge­bäude als eine Art „Stadt­regal“ im Straßen­raum er­scheinen lässt.

Zur Prinzen­straße hin öffnet sich der Ge­bäude­komplex mit einer groß­zügigen, zwei­ge­schossigen trichter­förmigen Durch­fahrt, durch die der öffent­liche Stadt­raum bis in den Innen­hof hinein weiter­ge­führt wird. Diese Geste schafft eine visuelle und funkt­ionale Ver­bindung zwischen Straße und Hof und macht den Innen­bereich als halb­öffentlichen Raum er­leb­bar.

Im Zentrum von The Shelf liegt ein be­grünter Innen­hof, der als ge­mein­same Lobby und Kom­muni­kations­raum für alle Nutzer­innen und Nutzer fungiert. Der Hof zitiert die Idee der klas­sischen Berliner Höfe, inter­pretiert sie je­doch mit Fokus auf Licht, Offen­heit und ge­mein­schaftliche Nutzung neu.

Mehrere sorg­fältig ge­staltete Grün­inseln holen sprich­wörtlich ein Stück Natur in das Ge­bäude und ver­bes­sern die Auf­ent­halts­qualität deut­lich. Er­gänzt wird der Hof durch ruhigere Außen­be­reiche und Dach­ter­ras­sen, die als Rück­zugs- und Arbeits­orte im Freien dienen und damit unter­schied­liche Zonen für Kon­zen­tration, Aus­tausch und Er­holung bieten.

Mit einer Ge­samt­miet­fläche von 12.900 Quadrat­metern bietet The Shelf flexible Büro­flächen, die für unter­schiedliche Büro­typo­logien – von Einzel- über Kombi- bis zu Groß­raum­büros – konzi­piert wurden. Die Flächen lassen sich weit­ge­hend frei unter­teilen oder auch ohne feste Trenn­wände nutzen, so­dass Mieter Grund­risse an ihre Arbeits­pro­zesse an­passen können.

Zum Konzept ge­hören Meeting­zonen, Kom­munikations­inseln und in­formelle Auf­enthalts­be­reiche, die spontane Zu­sammen­ar­beit fördern. Die Ge­staltung orientiert sich an aktuellen New-Work-An­sätzen, in denen Büro­ge­bäude als Platt­form für Aus­tausch, Netz­werk­bildung und kolla­boratives Arbeiten ver­standen werden.

The Shelf ist mit moderner Ge­bäude­technik aus­ge­stattet, darunter boden­tiefe Fenster mit außen­liegendem Sonnen­schutz, die viel Tages­licht ins Ge­bäude bringen und gleich­zeitig den Wärme- und Blend­schutz sichern. Das Projekt strebt hohe Nach­haltig­keits­standards an, darunter eine DGNB-Gold-Zert­ifizierung und weitere Effizienz- und Digi­talisierungs­labels, die res­sourcen­schonenden Be­trieb und gute Nutzer­qualität be­legen sollen.

Für zeit­gemäße Mobilität stehen zahl­reiche Fahr­rad­stell­plätze und er­gänzende Pkw-Stell­plätze zur Ver­fügung, was der zu­nehmenden Be­deutung des Rad­ver­kehrs in Berlin Rechnung trägt. In Kombination mit der zentralen Lage ent­steht so ein Stand­ort, der auf um­welt­freund­liche Er­reich­bar­keit ebenso setzt wie auf komfortable Aus­stattung im Ge­bäude.

Neben der Büro­nutzung diente The Shelf zeit­weise als Ver­anstaltungs­ort für kulturelle Projekte, etwa für den Berlin Art Prize, der in Räumen an der Prinzen­straße aus­ge­richtet wurde. Solche Er­eignisse ver­ankern den Ge­bäude­komplex nicht nur wirt­schaftlich, sondern auch kulturell im lokalen Um­feld.

Gleich­zeitig ist The Shelf Teil einer kontrovers diskutierten Auf­wertung ehe­maliger Ge­werbe­flächen, die zuvor von einem Auto­ver­leiher ge­nutzt wurden. Kritische Stimmen be­tonen, dass Be­griffe wie „kreativ, grün und sozial“ Marketing­narrative bleiben könnten, während Ver­drängungs­prozesse im Kiez und Ver­änderungen der Alltags­räume im Um­feld voran­schreiten.

The Shelf steht exem­plarisch für den Struktur­wandel in Kreuz­berg von klassischer Industrie- und Gewerbe­nutzung hin zu wissens­basierten und kreativen Dienst­leistungen. Der Ge­bäude­komplex ver­bindet architek­tonisch die Formen­sprache historischer Gewerbe­höfe mit einer zeit­ge­nössischen Fassade, flexiblen Grund­rissen und grünen Innen­räumen.

Für Unter­nehmen, die Wert auf ur­bane Ein­bettung, moderne Arbeits­welten und eine re­präsentative Adresse legen, bietet The Shelf damit ein präg­nantes Stück neuer Berliner Büro­kultur. Gleich­zeitig bleibt das Projekt ein Kristallisations­punkt stadt­politischer De­batten über Eigentum, Zu­gang zu Raum und die Zukunft ge­mischter Quartiere in der Innen­stadt.

Fotos und Text: F. H.