Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Sockel und der Anhebung des Denkmals. Einen Bericht allein für das Denkmal finden Sie unter folgendem Link.
Ursprüngliche Ansicht des Nationaldenkmals (PDF)
Ursprünglich sollte das Nationaldenkmal ein sog. Befreiungsdom werden, musste aber dann, aus Kostengründen, auf die Turmspitze reduziert werden. Das Königshaus, wie auch damalige Gelehrte, waren schon kurz nach Fertigstellung des Denkmals mit seiner Ausgestaltung und Strahlkraft nicht einverstanden.
Friedrich Wilhelm III. schrieb deswegen Ende 1829 einen Brief an Schinkel, in dem er ihn aufforderte, entsprechende Vorschläge zu erarbeiten, wie man dem Denkmal ein besseres Ansehen geben könnte.
Schinkel erwiderte daraufhin, man könnte das Denkmal maximal 1/5 seiner eigenen Höhe anheben und auf einen neuen Sockel stellen, eine stärkere Anhebung würde aber das künstlerische Verhältnis von Denkmal zu Sockel in Schieflage bringen. Zusätzlich brachte er die Einschränkung, eine solche eher geringe Erhöhung würde für die Fernwirkung des Denkmals nichts bringen. In den folgenden Jahren gab es unterschiedliche Ansätze, das Denkmal entsprechend zu verändern, die aber alle letztlich nicht umgesetzt wurden.
Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts die Berliner Zollmauer abgetragen wurde, konnte die Stadt sich weiter ausdehnen. Dabei wuchs die Bebauung immer näher an den Kreuzberg heran, zusätzlich wurde die Sicht auf das Denkmal durch Pflanzenbewuchs behindert. Man kam zum Schluss, das Denkmal müsste entsprechend angehoben werden, damit die Bevölkerung das Denkmal weiterhin sehen und wahrnehmen kann.
Das Denkmal war ursprünglich in einer exakten Nord-Süd-Ausrichtung angelegt, müsste aber bei der Anhebung um 21° gedreht werden, damit die Vorderseite in Richtung der neuen Großbeerenstraße ausgerichtet wäre.
Der Geheime Oberhofbaurat Johann Heinrich Strack hatte im Jahre 1875 bereits unterschiedliche Zeichnungen eines bastionsartigen, zinnenbekrönten Sockels erstellt, die wohl an die Verschanzungen am Tempelhofer Berg während der Befreiungskriege erinnern sollten. Der achteckige Sockel hatte damit am Fuße einen Durchmesser von 42 Meter.
Vom Sockel abgehend hatte er eine Freitreppe zur Großbeerenstraße vorgesehen, mit Pflanzkübeln und Skulpturen. Kaiser Wilhelm I. gab schließlich Strack den Auftrag zum Bau des Sockels, aber ohne die Freitreppe.
Entwurf für Anhebung und Sockel (PDF)
Kaiser Wilhelm I. beauftragte für die Anhebung des 380 Tonnen schweren Denkmals den Geheimen Baurat (oberster preußischer Baubeamter) Johann Wilhelm Schwedler.
Schwedler verwendete 12 hydraulische Pressen mit einem Wasserdruck von damals 30 Atmosphären, was heute 3039750 Pascal bzw. 30,4 bar entsprechen würde.
Die Anhebung begann am 29. August 1878, die Drehung um 21° erfolgte am 3. September und das Absetzen auf den neuen Sockel erfolgte am 25. Oktober 1878.
Position der Pressen (PDF)
Aufbau der Pressen (PDF)
Das Denkmal stand am Ende der Anhebung auf einem neuen Podest, aber nun 8 Meter höher als zuvor. Anhebung und Bau des Sockels dauerten von 1875 bis 1879.
Denkmal nach Fertigstellung des neuen Sockels (PDF)
Johann Heinrich Strack
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Strack_(Architekt)
Johann Wilhelm Schwedler
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wilhelm_Schwedler
Abschließend ein paar Zusatz-Infos für einen möglichen Sockelbesuch:
In manchen älteren Berichten auf anderen Blogs sind zum Teil diverse Skulpturen zu sehen, die befinden sich heute leider nicht mehr im Sockel. Ein großer Teil der Skulpturen ist nun in einer dauerhaften Ausstellung in der Zitadelle Spandau zu sehen. Wer also einen Gipsabdruck eines der Pferdeköpfe der Quadriga sehen möchte, muss nun leider nach Spandau fahren.
Als Ausstellungsstücke sind im Sockel noch die 12 Genien als Gipsabformungen zu sehen (2 zur Zeit in der Ausstellung in der Zitadelle Spandau) und der Münzfries von Schadow im Original, eine Kopie des Fries wurde an das Gebäude am Mühlendamm 3 angebracht.
Münzfries
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnzfries
Johann Gottfried Schadow
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Schadow
Der Sockel ist nicht dauerhaft für Besucher geöffnet, es besteht aber die Möglichkeit über das Museum „FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum“ in der Adalbertstr. 95A eine Führung zu organisieren. Falls Interesse an einer Führung besteht, fragt man am besten im Museum direkt nach.
Der Sockel wurde in den letzten Jahren vorwiegend als Skulpturen-Lagerstätte verwendet, daher gibt es ein paar „Einschränkungen“ beim Besuch.
Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr, der Sockel ist teilweise innen etwas staubig und es stehen Transportkisten im Raum.
Für mobilitätseingeschränkte Personen: Eine barrierefreie Begehung ist nur eingeschränkt bzw. mit Hilfsperson möglich.
Nationaldenkmal für die Befreiungskriege
Am Weinhang 1
10965 Berlin
FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Adalbertstraße 95A
10999 Berlin
Öffnungszeiten:
Di–Do 12:00–18:00 Uhr
Fr–So 10:00–20:00 Uhr
Kostenloser Eintritt, Museumsshop im 1.Stock
Das Gebäude verfügt über einen Aufzug.
Text: C.H.
Zeichnungen: Architekturmuseum der TU Berlin
https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de




