Spaziergang von der Baerwaldbrücke zum Mehringplatz

Baerwaldbrücke – Altes Zollhaus – Waterloobrücke – Heilig Kreuz Kirche – Amerika Gedenkbibliothek – Hallesche-Tor Brücke – Mehringplatz

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Baerwaldbrücke

Die Baerwaldbrücke ist eine denkmalgeschützte Straßenbrücke im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Sie verbindet die Baerwaldstraße mit der Prinzenstraße und überquert am Kilometer 7.0 den Landwehrkanal westlich des Urbanhafens. In ihrer heutigen Form ist sie ein bedeutendes Beispiel historischer Berliner Brückenarchitektur aus dem späten 19.Jahrhundert.

Baerwaldbrücke von der Westseite

Baerwaldbrücke von der Ostseite

Die erste Brücke an dieser Stelle wurde 1850 als hölzerne Klappbrücke errichtet. Zwischen 1876 und 1878 ersetzte man sie durch eine gemauerte Steinbrücke mit einer Spannweite von 18,8 Metern. Ursprünglich trug das Bauwerk den Namen Gasanstaltsbrücke, benannt nach der in unmittelbarer Nähe befindlichen städtischen Gas-Erleuchtungsanstalt. 1879 erhielt sie ihren heutigen Namen zu Ehren von Pierre Frédéric Charles Baerwald, dem ersten Verwaltungsdirektor der Gasanstalten.

Brückenlaternen mit Kandelabern

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt die Brücke erhebliche Schäden. Im Jahr 1952 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion nach historischem Vorbild. Dabei wurde der ursprüngliche Brückenbogen aus Sandstein überarbeitet, und die Anlage erhielt stilgerechte Kandelaber und Laternen, die sich an die erhaltenen Originale anlehnten.

Die Baerwaldbrücke ist eine Bogenbrücke, deren Fahrbahn leicht gewölbt über einem Sandsteinbogen verläuft. Sie wurde überwiegend aus gelben Ziegelsteinen mit roten Bändern errichtet, was ihr ein charakteristisches Erscheinungsbild verleiht. An den Brückenköpfen befinden sich Sandsteinzierstücke mit Wappenkartuschen, die den Berliner Bären beim Fischen und Honigsammeln zeigen. Ein schlichtes Metallgeländer flankiert die Gehwege. Die Gesamtgestaltung ist ein Beispiel für die Verbindung funktionaler Ingenieurbauweise mit dekorativen Elementen des späten 19. Jahrhunderts.

Denkmal an Hans Böckler

In der unmittelbaren Umgebung der Baerwaldbrücke liegen das Sommerbad Kreuzberg und der Böcklerpark. 2005 wurde hier eine Gedenktafel zu Ehren des Gewerkschaftsführers Hans Böckler angebracht.

Der Urbanhafen am Morgen

Die Brücke bildet zudem einen wichtigen Bezugspunkt im Bereich des Urbanhafens. Dieser Abschnitt des Landwehrkanals, in den die Brücke eingebettet ist, wurde 1896 verbreitert, um die wachsenden Schiffsverkehre der damaligen Zeit aufzunehmen. Damit spielte die Baerwaldbrücke auch eine Rolle in der industriellen und logistischen Entwicklung Berlins während der Gründerzeit.

Blick in Richtung Altes Zollhaus

Altes Zollhaus

Das Alte Zollhaus am Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkgebäude, das zu den traditionsreichen Orten der Berliner Stadtgeschichte gehört. Es liegt idyllisch am Carl-Herz-Ufer 30, mitten im Grünen, und wird heute als Restaurant betrieben.

Altes Zollhaus am Carl-Herz Ufer 30

Errichtet wurde das Gebäude zwischen 1901 und 1903 nach Plänen des Architekten Ludwig Hoffmann als kleines Zweckgebäude im Stil englischer Landhausarchitektur und deutscher Fachwerkbaukunst, mit Reliefs (Besen, Mütze, Maus) zur Erinnerung an seine Funktion. Bis ca. 1909/10 diente es als Depot der Berliner Stadtreinigung.

Ab ca. 1909/10 zog eine Zahlkontrollstelle zur Gebührenerfassung für Dampfer und Kähne ein, welche die Schifffahrt auf dem Landwehrkanal überwachte.

Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus 1979 originalgetreu wiederaufgebaut, unter anderem durch den Einsatz des damaligen Leiters des Kreuzberger Gartenbauamts, Helmut Preuß.

Eingang zum Restaurant

Seit 1980 befindet sich im Alten Zollhaus eine Gaststätte. Der Gastronom Herbert Beltle übernahm sie 1989 und machte sie zu einer Institution der Berliner Küche. Über viele Jahre war das Lokal ein Treffpunkt für Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, darunter Helmut Kohl, Joschka Fischer und Gerhard Schröder. Beltle prägte das Haus mit einem Konzept, das regionale und klassische Gerichte in rustikalem Ambiente bot – ergänzt durch die sogenannte „Schmugglerscheune“ im Obergeschoss, die Platz für Veranstaltungen bot.

Im Jahr 2020 wurde das Zollhaus von dem Berliner Drei-Sterne-Koch Marco Müller übernommen, der das Restaurant gemeinsam mit Anja und Carsten Schmidt als „Rutz-Zollhaus“ neu eröffnete. Dabei wurde das historische Gebäude geschmackvoll modernisiert, um eine Verbindung von Tradition und zeitgemäßer Gastronomie zu schaffen. Das heutige Konzept vereint regionale Produkte mit moderner Berliner Küche, serviert in einer hellen, gemütlichen Atmosphäre unter hohen Kastanienbäumen direkt am Wasser.

Das Alte Zollhaus vereint historische Bedeutung, architektonischen Charme und gastronomische Qualität. Es ist ein Beispiel dafür, wie
historische Bauwerke in Berlin zeitgemäß genutzt werden können, ohne ihren Charakter zu verlieren. Die Lage am Landwehrkanal, die geschichtsträchtige Architektur und die Mischung aus Tradition und Moderne machen es zu einem besonderen Ort, der Berliner Stadtgeschichte und Gegenwart verbindet.

Waterloobrücke

Die Waterloobrücke ist eine historische Brücke im Berliner Stadtteil Kreuzberg, die die Brachvogelstraße mit der Alexandrinenstraße über den Landwehrkanal verbindet. Ihre Entstehung geht auf den Ausbau der Friedrichstadt zurück, der eine weitere Querung des Kanals erforderlich machte. Diese Querung wurde 1890/91 durch den Baumeister Heinrich Liersch realisiert.

Waterloobrücke

Die Brücke wurde nach der Schlacht bei Waterloo benannt, die am 18. Juni 1815 stattfand. In dieser entscheidenden Auseinandersetzung besiegten englische und preußische Truppen unter dem Kommando des Herzogs von Wellington und Gebhard Leberecht Blücher die Armee Napoleons I.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Waterloobrücke zerstört. Nach dem Krieg erfolgte der Wiederaufbau und am 18. Dezember 1957 wurde die Brücke als moderner Neubau wieder in Betrieb genommen. Die heutige Waterloobrücke ist eine Spannbetonbrücke mit einer Stützweite von 18 Metern. Sie besteht aus einer 11 Meter breiten Fahrbahn und jeweils 4 Meter breiten Gehwegen, begrenzt von einem schlichten Eisengeländer.

Neben ihrem funktionellen Wert als Verbindung im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg spiegelt die Waterloobrücke das historische Erbe Berlins wider. Der Name der Brücke und das Waterlooufer erinnern an die politischen und militärischen Ereignisse des frühen 19. Jahrhunderts, deren Spuren sich noch heute im Berliner Stadtbild finden lassen.

Heilig Kreuz Kirche

Die Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin-Kreuzberg ist eine evangelische Kirche, die zwischen 1885 und 1888 im neugotischen Stil nach Plänen des Architekten Johannes Otzen erbaut wurde. Sie liegt an der Zossener Straße nahe dem Landwehrkanal und wurde benannt nach der biblischen Geschichte vom Heiligen Kreuz (d.h. der Kreuzigung Jesu), in Anlehnung an den Namen des Stadtteils Kreuzberg.

Die Kirche besteht aus Lang- und Querhaus mit einem markanten Vierungsturm, dessen Kuppel in 19 Metern Höhe beginnt. Die Einweihung fand am 27. Oktober 1888 unter Beteiligung Kaiser Wilhelms II. und seiner Frau Auguste Viktoria statt, die auch den Altar stiftete.

Ursprünglich diente die Kirche der expandierenden Bevölkerung des damaligen Kreuzbergs und zählte Ende des 19. Jahrhunderts rund 120.000 Gemeindemitglieder. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch Bombardierungen stark beschädigt und von 1951 bis 1959 in vereinfachter Form wiederaufgebaut.

Seit den 1980er Jahren erfolgten umfangreiche Sanierungen und Umbauten, wodurch die Kirche zu einer offenen Kirche mit multifunktionalen Veranstaltungsräumen wurde, die auch für Konzerte, Tagungen und kulturelle Events genutzt wird.

Die Kirche verfügt heute über flexible Bestuhlung, eine romantische Hook-Orgel von 1870 und einen Kirchgarten. Mit einer Kapazität für bis zu 430 Personen bei Konzerten und Stehempfängen ist sie ein bedeutender Kultur- und Gemeindepunkt in Kreuzberg. Die Heilig-Kreuz-Kirche steht für ein harmonisches Zusammenspiel von historischer Architektur und moderner Nutzung im pulsierenden Stadtteil Berlin-Kreuzberg.

Amerika Gedenkbibliothek

Die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) in Berlin ist eine der größten öffentlichen Bibliotheken der Stadt und wurde 1954 als Geschenk der Vereinigten Staaten an die Berliner errichtet. Finanziert wurde sie aus Mitteln des Marshall-Plans, als ein Symbol für Bildungs- und Meinungsfreiheit nach der Blockade Berlins durch die Sowjetunion 1948/1949. Die Bibliothek ist seit 1995 Teil der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB).

Die Gründung der AGB war eine Reaktion auf die Teilung Berlins, die dazu führte, dass viele zentrale Bibliotheksbestände in Ost-Berlin lagen, während im Westteil kaum öffentliche Fachbibliotheken vorhanden waren. Die amerikanische Unterstützung sollte daher nicht nur ein kulturelles Zeichen setzen, sondern auch die demokratische und kulturelle Entwicklung West-Berlins fördern.

Das Gebäude selbst ist ein Denkmal der Nachkriegsmoderne. Es symbolisiert die bewusste Hinwendung zur freiheitlichen Gesellschaft und die Abkehr von der nationalsozialistischen Vergangenheit. Architektonisch zeichnen sich der Entwurf und die Innenräume durch ihre lichtdurchfluteten, offenen Räume aus, die eine angenehme Atmosphäre für Bildung und Recherche schaffen sollen.

Die AGB beherbergt eine umfangreiche Sammlung, die von klassischen Büchern bis zu spezialisierten Sammlungen wie Musik und Kunst reicht. Moderne Angebote wie E-Books und spezielle Bereiche für Kinder sind ebenfalls Teil der Bibliothek.

Zusammenfassend ist die Amerika-Gedenkbibliothek ein bedeutendes kulturelles und historisches Symbol Berlins, das durch seine Geschichte, Architektur und Funktionen einen starken Bezug zur demokratischen Entwicklung und kulturellen Freiheit der Stadt widerspiegelt. Sie steht sowohl für die transatlantische Freundschaft als auch für den freien Zugang zu Wissen und Bildung.

Hallesche-Tor Brücke

Die Hallesche-Tor-Brücke in Berlin ist ein markantes Bauwerk im Stadtteil Kreuzberg und dient als Verbindung über den Landwehrkanal zwischen dem Mehringplatz und dem Blücherplatz.

Die ursprüngliche Brücke an dieser Stelle wurde bereits 1705 als Holzbau errichtet und diente zum Überqueren eines Abflussgrabens vor dem historischen Halleschen Tor der Berliner Akzisemauer. Mit dem Ausbau des Kanals und dem Anstieg des Verkehrs entstanden Planungen für einen repräsentativeren Neubau: Zwischen 1874 und 1876 wurde die Brücke als massive Steinbrücke nach Entwürfen von Johann Heinrich Strackrealisiert. Die Brücke erhielt zunächst den Namen Belle-Alliance-Brücke nach der gleichnamigen Straße und wurde mit Sandstein verkleidet sowie mit Granitgeländer und allegorischen Marmorfiguren geschmückt.

Allegorie Schifffahrt

Allegorie Fischfang

Das Bauwerk zeichnet sich durch einen Korbbogen aus sandsteinverkleidetem Klinker aus. Bei ihrer Errichtung um 1900 war die Brücke mit 34 Metern Breite die breiteste ihrer Art in Berlin.

Vier Postamente dienten ursprünglich als Geländerbegrenzung; zwei davon tragen heute noch die allegorischen Figuren „Schifffahrt“ und „Fischfang“. Die Baluster des Brüstungsgeländers bestehen aus Meißner Granit. An den Gewölben wurde die Brücke mit Medaillons und Schlusssteinen, darunter Neptunköpfe, verziert.

Eingang zu den U-Bahn-Linien U1 und U3

Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Brücke verschiedenen Modernisierungen und Anpassungen unterzogen. Besondere Veränderungen erfolgten mit dem Bau der Berliner Hochbahn (heute U-Bahn-Linie U1/U3), was die Verkleinerung von Postamenten und die Versetzung der Brückenskulpturen nötig machte.

Während des Zweiten Weltkrieges erlitt die Brücke schwere Schäden und wurde nach Kriegsende notdürftig repariert und schließlich 1953 rekonstruiert, vorerst ohne die vollständige Wiederherstellung des Besatzungsschmucks.

Die Brücke trug nach dem Krieg und der Umbenennung des Belle-Alliance-Platzes in Mehringplatz zunächst den Namen Mehringbrücke, seit 1974 heißt sie offiziell Hallesche-Tor-Brücke.

Blick auf die Zossener Brücke

Die Hallesche-Tor-Brücke ist heute sowohl für Fußgänger als auch für den Straßenverkehr von Bedeutung. Sie prägt das Bild der Umgebung mit ihren architektonischen Details und historischen Skulpturen und dient als Bindeglied zwischen den Uferstraßen und den zentralen Berliner Plätzen. Unter der Brücke verläuft zudem die U-Bahn-Trasse der Linie U6 als Tunnel.

Mehringplatz

Der Mehringplatz ist geprägt von den Hochhäusern des sozialen Wohnungsbaus der 1970er Jahre und gilt als sozialer Brennpunkt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg erfolgte die Umbenennung in „Mehringplatz“.

Eingang von der Halleschen Brücke

Mehringplatz mit der Friedenssäule

Am Halleschen Tor wurde nach 1730 ein Markt- und Exerzierplatz angelegt, der zunächst „Rondell“ genannt wurde.

In Erinnerung an das Gehöft „Belle Alliance“ bei Waterloo, in dem sich Blücher und Wellington nach dem Sieg über Napoleon trafen, erhielt der Platz 1815 diesen Namen.

Die 1843 aufgestellte Friedenssäule mit der bronzenen Siegesgöttin Viktoria ist ein Werk von Christian Gottlieb Cantian.

Nach 1876 kamen allegorische Marmorgruppen der am Sieg über Napoleon beteiligten Staaten hinzu (nur die Figuren „Klio“ und „Der Friede“ am Südrand sind erhalten).

1947 wurde der Platz nach dem sozialdemokratischen Historiker und Publizisten Franz Mehring (1846-1919) benannt. Die Neubauten entstanden 1968 bis 1972 nach Vorstellungen von Hans Scharoun (Architekt: W. Düttmann).

„Klio“ von Ferdinand Hartzer

„Der Friede“ von Albert Wolff

Im Zuge der Umgestaltung wurden die Linden- und die Wilhelmstraße, die früher auf dem Platz mündeten, daran vorbeigeleitet. Zwischen 2019 und 2022 wurde der Platz umgestaltet, um ihn als einen von drei ikonischen Stadttorplätzen der historischen Berliner Akzisemauer sichtbarer zu machen.

Die Architektur und städtebauliche Gestaltung spiegeln die verschiedenen historischen Phasen wider, von der barocken Stadtentwicklung über die Kriegszerstörungen bis zum Wiederaufbau der 1970er Jahre.

Fotos und Text: F. H.