Den Auftakt zu einer dreiteiligen Serie über die Themenbereiche „co-housing“, „co-working“ und Umweltbildung, welche inhaltlich eng verwoben sind mit den Komplexen nachhaltiger und ressourcenschützender Stadtentwicklung, macht das „betahaus“ in Berlin-Kreuzberg.
Gelegen in der Prinzessinnenstraße 19, in direkter Nachbarschaft zu den Prinzessinnengärten, dem Moritzplatz, dem Aufbauhaus und der Oranienstraße befindet es sich direkt im Szenekiez. Im Jahre 2009 gegründet, war es das erste „co-working“ Projekt Berlins. Das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Haus, lange als Waschlappenfabrik genutzt, stellt den Nutzern knapp 5000 Quadratmeter Grundfläche zur Verfügung. Hier arbeiten Freiberufler und Start-ups aus dem Kreativbereich. So auch der Name des Projekts: beta – aus der Software-Entwicklung – bedeutet Testphase, Projekt mit offenem Ausgang; so zum Beispiel auch „betaversion“ oder „betaphase“. Inzwischen nutzen rund 350 Freiberufler das Angebot aus festen und flexiblen Schreibtischen. Diese werden je nach Bedarf vorher gebucht und ermöglichen somit größtmögliche Flexibilität für die Freiberufler. Die Tatsache, dass hier Büroplatz je nach Bedarf verfügbar gemacht wird, ist in zweierlei Hinsicht ressourcenschonend: einerseits natürlich für den Freiberufler, da er sein möglicherweise noch schmales Budget nicht für einen überteuerten Büroplatz verwenden muss, und aus umweltrelevanter Sicht natürlich, weil Platz gespart wird, im Winter auch Strom für Licht und Energie für das Heizen.
Ein zweiter wesentlicher Vorteil dieses Projekts ist die Vergemeinschaftung. Viele hier Arbeitende genießen den Austausch sowohl an den „shared desks“ als auch beim Kaffee des hausinternen Cafés. Des Weiteren gibt es regelmäßige gemeinschaftliche Aktivitäten wie das gemeinsame Frühstück oder das „betabeer“.
Interessant ist auch die Einrichtung einer Holzwerkstatt, sie gehört zum so genannten „woodwork project“. Ein passionierter Holzhandwerker gibt hier Kurse zu den vielfältigen Arbeits- und Gestaltungsmöglichkeiten von und mit Holz. Die Werkstatt kann aber auch für eigene Reparaturarbeiten oder „DIY-Projekte“ genutzt werden, ganz im Sinne des „co-working“ und auch der Nachhaltigkeit.
Das „betahaus“ hat sich in der Welt der „digitalen Nomaden“ fest etabliert und hat für die Berliner Szene Pionierarbeit geleistet. Ursprünglich als Gegenentwurf zu mangelndem Platz und mangelnden finanziellen Möglichkeiten gestartet, ist es ein tolles Projekt geworden, das zeigt, wie man durch Flexibilität und auch Vergemeinschaftung ressourcenschonend und sozial vernetzt arbeiten kann.
Fotos & Text: Christian Eitz