Biegt man ein paar Schritte vom Frankfurter Tor entfernt in die kleine Stichstraße und lässt die endlos auf der Ausfallstraße dahin brausenden Automobile hinter sich, überrascht zunächst dieses waldbraune Gebäude, das da in zweiter Reihe hinter den gefliesten „Arbeiterpalästen“ der Allee vor einem liegt. Könnte das ein Ableger des alten Pionierpalastes in der Wuhlheide sein, noch von damals?Nein, DDR ist das nicht mehr. Die Recherche ergibt, dass das Gebäude bis 2005 die „Franz-Fühmann-Schule“ war, ein Plattenbau vom Typ „Berlin SK 66“ aus den sechziger Jahren, die von 2008 bis 2010 mit relativ wenigen Eingriffen für eine andere Nutzung umgebaut wurde und im modernen „Holzkleid“ kaum wiederzuerkennen ist.
Seit 2010 ist dies der neue „Lesepalast“ der Bezirkszentralbibliothek „Pablo Neruda“ der 2001 fusionierten Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg. Verändert wurde vor allem die wärmegedämmte Fassade durch vorgehängte Sonnenschutzlamellen aus Zedernholz und großfenstrige Blicköffnungen. Die Klassenzimmer im Inneren wurden entfernt, so dass auf den Etagen die Räume offen ineinander übergehen. Vom großzügigen Foyer aus gelangt man auch zu einem kleinen Café und einem Vortragssaal, der unabhängig von der Bibliothek genutzt werden kann. Finanziert wurden die Baumaßnahmen überwiegend mit Geldern des Programms Stadtumbau Ost und EU-Fördermitteln.
Als nächster Schritt wurde der „Pablo-Neruda-Park“ angelegt, der etwas verborgen hinter dem Bibliotheksgebäude einen ruhigen, grünen Ort zum Sonnen oder für die entspannte Mittagspause bietet. Dieser Lesegarten, in dem auch Veranstaltungen stattfinden, wurde 2014 eröffnet.
Nebenan, halb verdeckt vom Blätterdickicht, schimmert golden eine weitere, an diesem Ort nicht erwartete Architektur. Verschiedenste Lichteinflüsse der Umgebung spiegeln sich auf der Messingoberfläche des kristallförmigen Baukörpers, der dadurch weniger stofflich-schwer wirkt, als die Putzfassaden der Nachbarhäuser. Die Philharmonie am Tiergarten kommt einem in den Sinn. Von 2014 bis 2017 wurde hier hinter dem Frankfurter Tor eine klangoptimierte Konzertaula mit 350 Plätzen als Anbau für das musikorientierte Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium errichtet. Der auf „Georg-Friedrich-Händel-Saal“ getaufte Ort soll für verschiedenste Veranstaltungen offen stehen.
In den letzten rund zehn Jahren ist an der Frankfurter Allee für den Stadtteil ein neues Bildungs- und Kulturzentrum entstanden. Bibliothek, Garten und Aula wurden ergänzt durch eine Kita und Sportflächen. Bis 2018 ist noch die abschließende Anlage eines Bibliotheksvorplatzes als verbindende Freifläche geplant.
Bezirkszentralbibliothek
Pablo-Neruda-Bibliothek
Frankfurter Allee 14 A
10247 Berlin
Weitere Informationen finden Sie im Internet.